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	<title>Centro Studi La Runa &#187; Tedesco</title>
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		<title>Der sakrale Charakter des Königtums</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 11:31:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Evola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jede große "traditionelle" Kulturform war durch das Vorhandensein von Wesen charakterisiert, die durch ihre "Göttlichkeit", d.h. durch eine angeborene oder erworbene Überlegenheit über die menschlichen und natürlichen Bedingungen, fähig erschienen, die lebendige und wirksame Gegenwart des metaphysischen Prinzips im Schoße der zeitlichen Ordnung zu vertreten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/der-sakrale-charakter-des-konigtums.html' addthis:title='Der sakrale Charakter des Königtums '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/evola48x48.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Julius Evola" /><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/buddha.jpg" width="48" height="48" alt="" title="Religione" /><br/><p style="text-align: justify;"><img class="alignright size-medium wp-image-9070" style="margin: 10px;" title="regalita" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/regalita-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" />Jede große &#8220;traditionelle&#8221; Kulturform war durch das Vorhandensein von Wesen charakterisiert, die durch ihre &#8220;Göttlichkeit&#8221;, d.h. durch eine angeborene oder erworbene Überlegenheit über die menschlichen und natürlichen Bedingungen, fähig erschienen, die lebendige und wirksame Gegenwart des metaphysischen Prinzips im Schoße der zeitlichen Ordnung zu vertreten. Von solcher Art war, dem tieferen Sinn seiner Etymologie und dem ursprünglichen Wert seiner Funktion nach, der <em>Pontifex</em>, der &#8220;Brücken-&#8221; oder &#8220;Wege-Bauer&#8221; zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen. Weiter identifizierte sich der Pontifex überlieferungsgemäß mit dem <em>Rex</em>, entsprechend dem herrschenden Begriff einer königlichen Göttlichkeit und eines priesterlichen Königtums [Vgl. Servius, <em>Ad Aened</em>., III 268: "<em>Majorum haec consuetudo at rex esset etiam sacerdos et pontifex</em>". Dasselbe läßt sich – wie bekannt – für die urnordischen Stämme sagen.]. Die &#8220;göttlichen&#8221; Könige verkörperten also im Dauerzustand jenes Leben, welches &#8220;jenseits des Lebens&#8221; ist. Durch ihr Vorhandensein, vermöge ihrer &#8220;pontifikalen&#8221; Vermittlung, durch die Kraft der ihrer Macht anvertrauten Riten und der Institutionen, deren Urheber oder Stützen sie waren, strahlten geistige Einflüsse auf die Welt der Menschen aus, die deren Gedanken, Absichten und Handlungen durchdrangen, die einen Schutzwall bildeten gegen die dunklen Kräfte der inferioren Natur; die dem gesamten Leben eine Ordnung gaben, welche es geeignet machte, als fruchtbare Basis für die Verwirklichungen von Höherem zu dienen; die infolgedessen die allgemeinen Voraussetzungen schufen für &#8220;Gedeihen&#8221;, für &#8220;Wohlfahrt&#8221;, für &#8220;Glück&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Grundlagen der Autorität von Königen und Herrschern, das, wofür sie verehrt, gefürchtet und verherrlicht wurden, war im antiken Weltbild im Wesentlichen diese ihre heilige und übermenschliche Eigenschaft, nicht als leere Redensart verstanden, sondern als Wirklichkeit. Wie man das Unsichtbare als vorausgehendes und höheres Prinzip gegenüber dem Sichtbaren und Zeitlichen empfand, dementsprechend erkannte man solchen Naturen unmittelbar den Vorrang über alle und das natürliche und absolute Herrscherrecht zu. Was allen traditionellen Kulturen fehlt und erst Sache eines darauffolgenden und schon absteigenden Zeitabschnittes wird, ist die laienhafte, weltliche, lediglich politische Idee des Königtums und deshalb auch die eines Vorrangs, der gegründet ist, sei es auf Gewalt und Ehrgeiz, sei es auf natürliche und weltliche Eigenschaften, wie Intelligenz, Stärke, Geschicklichkeit, Mut, Weisheit, Sorge für das materielle Allgemeinwohl und so weiter. Noch fremder ist der Überlieferung die Idee, daß die Macht dem König von denen übertragen werde, die er regiert; daß seine Gesetze und seine Autorität Ausdruck des Volksbewußtseins seien und dessen Billigung unterstellt. An der Wurzel jeder zeitlichen Macht fand sich vielmehr die geistige Autorität eines gleichsam &#8220;göttlichen Wesens in Menschengestalt&#8221; [Im <em>Mânavadharmçastra</em> (VII, 8) wird der König als "große Gottheit in Menschengestalt" bezeichnet. Der ägyptische König galt als Manifestation von Râ und von Horus. Die Könige von Alba und von Rom personifizierten Jupiter, die urnordischen Odin und Tiuz, die assyrischen Baal, die iranischen den Gott des Lichtes, und so fort. Die Idee einer göttlichen oder himmlischen – wie wir sehen werden, vor allem einer solaren – Abstammung ist allen vormodernen Königstraditionen gemein.]. <em>Bâsileis ieroí</em>: der König – mehr als ein Mensch, ein heiliges kosmisches Wesen – verfügt über die transzendente Kraft, die ihn von jedem Sterblichen distanziert, indem sie ihn befähigt, seinen Untertanen Gaben zu spenden, die außerhalb der menschlichen Reichweite liegen, und ihn imstande setzt, den überlieferungsgemäßen rituellen Handlungen zur Wirksamkeit zu verhelfen, auf die er, wie wir sagten, das Vorrecht besitzt und in denen man die Glieder des wahren &#8220;Regierens&#8221; und die übernatürlichen Stützen des gesamten traditionsgebundenen Lebens erkannte [Umgekehrt konnte der König in Griechenland und Rom nicht mehr König sein, wenn er sich des Priesteramtes als unwürdig erwies, um dessenwillen er <em>rex sacrorum</em> war. Erster und höchster Vollzieher der Riten für diejenige Wesenheit, deren gleichzeitiger Temporalfall er war.]. Deshalb herrschte das Königtum und wurde für natürlich gehalten. Materielle Macht hatte es nicht nötig. Es zwang sich zuerst und unwiderstehlich durch den Geist auf. &#8220;Herrlich ist die Würde eines Gottes auf Erden&#8221;, steht in einem arischen Text, &#8220;aber für die Unzulänglichen schwer zu erlangen: würdig, König zu sein, ist lediglich der, dessen Sinn sich zu solcher Höhe erhebt&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/377877042X/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=377877042X" rel="nofollow" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-9066" style="margin: 10px;" title="hermetische-tradition" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/hermetische-tradition1-185x300.jpg" alt="" width="185" height="300" /></a>In der Überlieferung entsprach der königlichen Göttlichkeit wesentlich das Sonnen-<a title="Symbol" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli/">Symbol</a>. Man erkannte dem König denselben &#8220;Ruhm&#8221; zu, der der Sonne und dem Lichte gehört – <a title="Symbolen" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli/">Symbolen</a> der höheren Natur –, wenn sie allmorgendlich über die Finsternis triumphieren. &#8220;Als König steigt er des Horus (der Sonne) Thron der Lebenden empor, gleich seinem Vater Râ, jeglichen Tag&#8221;; &#8220;Ich habe bestimmt, daß du dich als König des Südens und des Nordens auf dem Throne des Horus erhebst, gleich der Sonne, ewiglich&#8221; – das sind Wendungen, die sich auf das altägyptische Königtum beziehen. Sie stimmen übrigens genau mit den iranischen überein, wo vom König gesagt wird, er sei &#8220;vom selben Geschlecht wie die Götter&#8221;, er &#8220;hat denselben Thron wie Mithra, er steigt mit der Sonne empor&#8221;, und wo er particeps siderum genannt wird, &#8220;Herr des Friedens, Heil der Menschen, ewiger Mensch, Sieger, der mit der Sonne emporsteigt&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser solare &#8220;Ruhm&#8221; oder &#8220;Sieg&#8221;, der also die Königsnatur und ihr Recht von oben bestimmte, beschränkte sich übrigens nicht auf ein bloßes <a title="Symbol" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli/">Symbol</a>, sondern identifizierte sich mit einer realen und schaffenden Kraft, als deren Träger der König als solcher angesehen wurde. Im alten Ägypten wurde der König auch &#8220;kämpfender Horus&#8221; – <em>hor âhâ</em> – genannt, um diesen Charakter des Siegs oder Ruhms des im König verkörperten solaren Prinzips zu bezeichnen: der König war in Ägypten nicht nur &#8220;göttlicher Herkunft&#8221;, sondern wurde auch als solcher &#8220;eingesetzt&#8221; und dann periodisch durch Riten beglaubigt, die eben den Sieg des Sonnengottes Horus über Typhon-Seth, den Dämon des inferioren Bereiches, darstellten. Solchen Riten schrieb man übrigens die Macht zu, eine &#8220;Kraft&#8221; und ein &#8220;Leben&#8221; an sich zu ziehen, die auf übernatürlichem Wege die Fähigkeiten des Königs &#8220;umschlangen&#8221;. Aber das Ideogramm <em>uas</em>, &#8220;Kraft&#8221;, ist das Zepter, das die Götter und die Könige tragen, ein Ideogramm, das in den älteren Texten für ein anderes Zepter in Zackenform steht, in welchem man den Zickzack des Blitzes erkennt. Die königliche &#8220;Kraft&#8221; erscheint so als eine Manifestation der himmlischen Blitzeskraft; und die Vereinigung der Zeichen &#8220;Leben-Kraft&#8221;, <em>ânshûs</em>, bildet ein Wort, das auch die &#8220;Flammenmilch&#8221; bezeichnet, von der sich die Unsterblichen nähren, seinerseits nicht ohne Beziehung zum uraeus, der göttlichen Flamme, die bald lebenserweckend, bald zerstörerisch wirkt und deren <a title="Symbol" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli/">Symbol</a> das Haupt des ägyptischen Königs umgibt. Die verschiedenen Elemente konvergieren also ausschließlich in der Idee einer &#8220;nicht irdischen&#8221; Macht (oder Fluidums) – <em>sa</em> – , die die sieghafte Sonnenatur des Königs weiht und beglaubigt und die von einem König zum anderen &#8220;schnellt&#8221; – sotpu – , die ununterbrochene &#8220;goldene&#8221; Kette des &#8220;Königsgeschlechts&#8221; bildend, das zum Regieren bestimmt ist [Einer der Namen der ägyptischen Könige ist "Horus aus Gold gemacht", wo das Gold das "solare" Fluidum bezeichnet, aus dem der "unverwesliche Leib" der Unsterblichen entsteht: gleichzusetzen der obengenannten "Flammenmilch" und der "Blitzeskraft", die beide sich ebenfalls an der Sonnenflamme stärken und sich auf den König beziehen. Nicht uninteressant ist der Hinweis, daß der Ruhm in der christlichen Überlieferung als Attribut Gottes figuriert – <em>gloria in excelsis deo</em> – und daß nach der mystischen Theologie in der "Glorie" sich die Vision der "Seligpreisung" erfüllt. Die christliche Ikonographie pflegt sie als Aureole um das Haupt der Heiligen zu breiten, die den Sinn den königlichen ägyptischen uraeus und der Strahlenkrone des iranisch-römischen Königtums wiedergibt.].</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3934291228/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3934291228" rel="nofollow" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-9067" style="margin: 10px;" title="den-tiger-reiten" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/den-tiger-reiten.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Nach der Überlieferung des Fernen Ostens hat der König, der &#8220;Sohn des Himmels&#8221; – <em>t&#8217;ien – tze</em> – , d.h., der nicht nach den Gesetzen der Sterblichen Geborene, den &#8220;himmlischen Auftrag&#8221; – t&#8217;ien – ming – , der gleichfalls die Idee einer übernatürlichen realen Kraft mit einbegreift. Die Art dieser Kraft &#8220;vom Himmel&#8221; ist nach der Bezeichnung des Lao-tze Tun – ohne – Tun (<em>wei – wu – wei</em>) oder immaterielle Tat durch Gegenwart. Sie ist unsichtbar wie der Wind und hat gleichwohl das Unwiderstehliche einer Naturgewalt: die Kräfte des gewöhnlichen Menschen – sagt Meng-tze – biegen sich darunter wie sich die Halme unter dem Wind biegen [Über die Art der "Tugend", deren Inhaber der König ist, vgl. <em>Dschung-yung</em>, XXXIII, 6, wo es heißt, daß die geheimen Aktionen des "Himmels" den äußersten Grad des Immateriellen erreichen – "sie haben weder Klang noch Geruch", sie sind zart "wie die leichteste Feder". Zum Tun – ohne – Tun vgl. ebd. XXVI, 5 – 6: "Es gleichen sich die im höchsten Grade vollkommenen Menschen durch die Weite und die Tiefe ihrer Tugend der Erde an; durch die Höhe und den Glanz derselben gleichen sie sich dem Himmel an; durch die Ausdehnung und die Dauer gleichen sie sich dem Raum und der Zeit an, die ohne Grenzen sind. Der, welcher in dieser herrlichen Vollkommenheit lebt, er zeigt sich nicht und dennoch offenbart er sich, wie die Erde, durch seine Wohltätigkeit; er bewegt sich nicht und dennoch bewirkt er, wie der Himmel, vielfachen Wandel; er handelt nicht und dennoch bringt er, wie Raum und Zeit, seine Werke zur letzten Vollendung". Weiter unten – XXXI, 1 – wird gesagt, daß nur ein solcher Mensch "würdig ist, die höchste Autorität zu besitzen und den Menschen zu befehlen."]. In dieser Kraft oder &#8220;Tugend&#8221; verankert, bildete der Herrscher im alten China tatsächlich das Zentrum einer jeden anderen Sache oder Energie. Man war überzeugt, daß von seinem Verhalten insgeheim nicht nur Glanz oder Elend seines Reiches abhing (es ist die &#8220;Tugend&#8221; – <em>te&#8217;</em> – des Herrschers, weniger sein Beispiel, wodurch das Betragen seines Volkes gut oder böse wird), sondern auch der geregelte und günstige Verlauf der Naturereignisse selbst. Seine Funktion als Mittelpunkt implizierte sein Verharren in jener innerlichen, &#8220;sieghaften&#8221; Seinsart, von der die Rede war und der hier der Sinn des bekannten Ausdrucks &#8220;Unveränderlichkeit in der Mitte&#8221; entsprechen mag. Aber wenn dem so ist, kann keine Macht gegen seine &#8220;Tugend&#8221; aufkommen, um den überlieferungsgemäß geordneten Verlauf der menschlichen und selbst der natürlichen Dinge zu stören. Bei jedem normalen Ereignis mußte also der Herrscher die letzte Ursache und die geheime Verantwortung dafür in sich selbst suchen.</p>
<p style="text-align: justify;">Allgemeiner gesagt, die Idee von heiligen Eingriffen, durch die der Mensch mit seinen verborgenen Kräften die natürliche Ordnung aufrecht erhält und sozusagen das Leben der Natur erneuert, gehört einer frühesten Überlieferung an und interferiert sehr häufig mit der Königsidee selbst. Daß die erste und wesentlichste Funktion des Königs im Vollzug jener rituellen und sakrifikalen Handlungen besteht, die den Schwerpunkt des Lebens in der traditionsgebundenen Welt darstellten, ist jedenfalls eine Idee, die in allen regulären Formen der Überlieferung fortdauert, bis zu den griechischen Städten und bis auf Rom [Aristoteles (<em>Pol</em>. VI, 5, 11; vgl. III, 9) sagt: "Die Könige haben diese ihre Würde dadurch, daß sie Priester eines gemeinschaftlichen Kultes sind." Die wichtigste Handlung, die dem König von Sparta zukam, war die Darbringung von Opfern; und dasselbe ließe sich von den ersten römischen Königen sagen und dann auch von den Herrschern der Kaiserzeit.], indem sie die schon erwähnte Untrennbarkeit der königlichen Würde von den sakrifikalen und pontifikalen erzeugt. Der König, mit nichtirdischen Kräften versehen, ein göttliches Wesen, erschien auf natürlichem Wege als der, welcher unmittelbar fähig ist, die Macht der Riten zur Entfaltung zu bringen und die Wege zur höheren Welt zu erschließen. In jenen Formen der Überlieferung, in denen eine besondere Priesterkaste erscheint, gehört deshalb der König, wenn er seiner ursprünglichen Würde und Funktion entspricht, ihr an, und zwar als ihr Oberhaupt, <em>pontifex maximus</em>. Wenn wir, umgekehrt, bei gewissen Völkern den Brauch vorfinden, beim Eintritt eines Versagens das Oberhaupt abzusetzen oder zu beseitigen – denn dieses Versagen galt ihnen als ein Verfallszeichen der mystischen Kraft des &#8220;Glücks&#8221;, derentwegen man das Recht hatte, Oberhaupt zu sein – , so haben wir hier den Widerhall von etwas, das, wenn auch in Formen materialistischer Entartung, uns auf dieselbe Ideenfolge zurückführt. Und bei den nordischen Völkern, bis zur Zeit der Goten, wo das Prinzip der königlichen Göttlichkeit zwar unangetastet blieb (der König wurde hier Ases genannt, der Eigenname einer bestimmten skandinavischen Götterkategorie), galt als ein unglückliches Ereignis, wie z.B. eine Hungersnot, eine Seuche oder eine Mißernte, wenn auch nicht gerade als das Fehlen der an den König gebundenen mystischen Macht des &#8220;Glücks&#8221;, so doch als der Effekt von etwas, das der König begangen haben mußte, und das die objektive Wirksamkeit seiner Macht unterband.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3926370343/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3926370343"><img class="alignleft size-full wp-image-9068" title="tradition-und-herrschaft" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/tradition-und-herrschaft.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Man verlangte deshalb vom König, daß er die symbolische und solare Eigenschaft des <em>invictus</em> – <em>sol invictus</em>, <em>élios aníketos</em> – bewahre und damit den Zustand einer unerschütterlichen und übermenschlichen Zentralität aufrecht erhalte, die genau der Idee des Fernen Ostens von der &#8220;Unerschütterlichkeit in der Mitte&#8221; entspricht. Andernfalls ging die Kraft, und mit ihr die Funktion, auf denjenigen über, der bewies, daß er sie besser an sich zu ziehen verstand. Schon hier kann man auf einen der Fälle hinweisen, in denen die Vorstellung vom &#8220;Sieg&#8221; zum Knotenpunkt verschiedener Bedeutungen wird. Wer sie richtig versteht, für den ist in dieser Beziehung höchst bedeutungsvoll die Legende vom König der Wälder von Nemi, dessen Würde in einer Zeit des König – und Priestertums auf den überging, dem es gelungen wäre, ihn zu überraschen und zu &#8220;töten&#8221; – und bekannt ist auch Frazers Versuch, mannigfache Überlieferungen gleichen Typs, die es so ziemlich überall auf der Welt gibt, auf eben diese Legende zurückzuführen. Natürlich ist hier die &#8220;Probe&#8221; als körperlicher Kampf – sollte er auch in Wirklichkeit nie stattgefunden haben – nur die materialistische Reduktion von etwas, dem eine höhere Bedeutung innewohnt. Um den tieferen Sinn erfassen zu können, der sich in der Legende des Priester-Königs von Nemi verbirgt, muß man sich erinnern, daß nach der Überlieferung den Rex Nemorensis zu stellen nur ein &#8220;entflohener Sklave&#8221; berechtigt war (d.h. esoterisch verstanden, ein den Fesseln der inferioren Natur entflohenes Wesen), nachdem er zuvor in den Besitz eines Zweiges der heiligen Eiche gelangt ist. Aber die Eiche ist gleichwertig mit dem &#8220;Baum der Welt&#8221; vieler anderer Überlieferungen und ein ziemlich gebräuchliches <a title="Symbol" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli/">Symbol</a>, um die Urkraft des Lebens zu bezeichnen; womit ausgedrückt wird, daß nur ein Wesen, das an dieser Kraft teilhaben will, danach trachten kann, dem Rex Nemorensis die Würde zu entreißen. Was diese Würde anbelangt, ist daran zu erinnern, daß die Eiche und auch das Gehölz, dessen &#8220;rex&#8221; der Priester – König von Nemi war, in Beziehung zu Diana stand und daß Diana sogar die &#8220;Buhlerin&#8221; des Königs der Wälder war. Die großen asiatischen Göttinnen der Natur wurden in den alten Überlieferungen des orientalischen Mittelstandes oftmals durch heilige Bäume symbolisiert: worin wir, unter den <a title="Symbolen" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli/">Symbolen</a>, die Idee von einem Königtum entdecken, das sich herleitet von der Vermählung oder Paarung mit dieser mystischen &#8220;Lebens&#8221;-Kraft – die auch die der transzendenten Weisheit und der Unsterblichkeit ist – , verkörpert sowohl in der Göttin als auch im Baum. So bekommt die Sage von Nemi die allgemeine Bedeutung, die wir in vielen anderen Mythen und Legenden der Überlieferung finden, nämlich die eines &#8220;Siegers&#8221; oder &#8220;Helden&#8221;, der als solcher an Stelle des rex in den Besitz einer Frau oder Göttin gelangt, die in anderen Überlieferungen in der indirekten Bedeutung einer Hüterin von Früchten der Unsterblichkeit auftritt (die Frauengestalten in Beziehung zum symbolischen Baum in den Mythen von Herakles, Jason, Gilgamesch usw.) oder in der direkten Bedeutung einer Personifikation der geheimen Kräfte der Welt und des Lebens oder des übermenschlichen Wissens [Vgl. J. Evola, <em>La tradizione ermetica</em>, Bari 1931, S. 13 – 25. Einige alte Überlieferungen, in Bezug auf einen "weiblichen" Ursprung der Königsmacht, lassen sich zuweilen nach dieser Maßgabe auslegen. Ihre Bedeutung ist dann genau die entgegengesetzte von jener, die der "gynäkokratischen" Anschauung eignet, auf die wir vielleicht bei anderer Gelegenheit zurückkommen werden. – Über den Zusammenhang zwischen göttlichem Weib, Baum und sakralem Königtum vgl. auch die Wendungen im <em>Zohar</em> (III, 50b., III, 51a – auch II, 144b, 145a, mit Bezugnahme auf Moses als Gemahl der "Matrone"), wo es heißt, daß "der Weg, der zum großen Lebensbaum führt, die große Matrone ist" und daß "alle Macht des Königs in der Matrone wohnt", da die "Matrone" die "weibliche" und der Gottheit immanente Form ist; jene, der später bei den Gnostikern, als "heiligem Geist", oftmals wieder ein weibliches Sinnbild entspricht (die Jungfrau Sophia). In der japanischen Überlieferung , die bis heute unverändert fortbesteht, wird der Ursprung der Kaisermacht auf eine Sonnengöttin zurückgeführt – Amaterasu Omikami –, und der Kernpunkt der Zeremonie für den Aufstieg zur Macht – dajo sai – ist durch die Beziehung gegeben, die der König mit ihr durch die "Darreichung der neuen Speise" anknüpft. – Was den "Baum" anbelangt, ist der Hinweis nicht uninteressant, daß er auch in den mittelalterlichen Sagen in Beziehung zur Kaiseridee bleibt: der letzte Kaiser wird vor seinem Tode Zepter, Krone und Schwert am "dürren Baume" aufhängen, der sich gewöhnlich in der symbolischen Region des Presbyters Johannes befindet, genau wie der sterbende Roland sein unzerbrechliches Schwert am "Baume" aufhängt. Weitere Übereinstimmung: Frazer hat auf die Beziehung hingewiesen zwischen dem Zweig, den der entflohene Sklave von der heiligen Eiche der Nemi brechen muß, um mit dem König der Wälder kämpfen zu können, und dem Goldenen Zweig, der Aeneas erlaubt, als Lebender in die Unterwelt hinunterzusteigen, d.h. als Lebender in das Unsichtbare eingeweiht zu werden zu können. Nun wird aber eines der Geschenke, die Kaiser Friedrich II. von dem Presbyter empfängt, gerade ein Ring sein, der "unsichtbar" macht (d.h. in der Unsterblichkeit und ins Unsichtbare versetzt: in den griechischen Überlieferungen ist die Unsterblichkeit des Helden oft ein Synonym für ihren Übergang zum unsterblichen Leben) und der den "Sieg" verschafft: genau wie Siegfried in den Nibelungen durch die symbolische Tugend des Sich-unsichtbar-machens die "göttliche" Brunhild bezwingt und zum königlichen Hochzeitslager führt. ].</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0000BHW23/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B0000BHW23" rel="nofollow" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-9069" style="margin: 10px;" title="das-mysterium-des-grals" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/das-mysterium-des-grals.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Reste von Überlieferungen, in denen die in der archaischen Sage vom König der Wälder enthaltenen Themen wiederkehren, bleiben übrigens bis zum Ende des <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo/">Mittelalters</a>, wenn nicht noch länger, erhalten und sind stets mit dem antiken Gedanken verknüpft, daß das rechtmäßige Königtum die Neigung hat, auch in spezifischer und konkreter, wir möchten sagen &#8220;experimenteller&#8221; Weise untrügliche Zeichen seiner übernatürlichen Natur zu bekunden. Ein einziges Beispiel: vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges verlangte Venedig von Philipp von Valois, daß er sein tatsächliches Recht, die Königskrone zu tragen, durch eines der folgenden Mittel beweise. Das erste, das der Sieg über seinen Widersacher ist, mit dem er auf dem Turnierplatz hätte kämpfen müssen, bringt uns in der Tat auf den Rex Nemorensis und auf die mystische Beglaubigung eines jeden &#8220;Sieges&#8221; zurück [Bei anderer Gelegenheit werden wir die Auffassung noch besser erhellen, die uns hier – wie, allgemeiner, in der "Waffenprobe" bestimmten mittelalterlichen Rittertums – eigentlich nur in grob materialistischer Form entgegentritt. Der Überlieferung nach war der Sieger nur insofern ein solcher, als sich in ihm eine übermenschliche Energie verkörperte; und eine übermenschliche Energie verkörperte sich in ihm, insofern er Sieger wurde: zwei Momente in einem einzigen Akte, das Zusammentreffen eines "Abstieges" mit einem "Aufstieg".]. Über die beiden anderen Mittel liest man in einem Texte der Zeit: &#8220;Wenn Philipp von Valois, wie er behauptet, wahrer König von Frankreich ist, soll er es dadurch zeigen, daß er sich hungrigen Löwen aussetzt, denn die Löwen verwunden nie einen wirklichen König; oder aber er vollbringe das Wunder der Heilung von Kranken, wie es die anderen wahren Könige zu vollbringen pflegen&#8230; Im Falle des Mißerfolges würde man ihn seiner Krone als unwürdig erachten.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Die übernatürliche Macht, die sich im Sieg oder in der thaumaturgischen Tugend offenbart, läßt sich also auch in Zeiten, welche wie die Philipp von Valois schon in die &#8220;moderne&#8221; Ära fallen, nicht trennen von der Idee, die man traditionsgemäß vom wahren und rechtmäßigen Königtum hatte [Die thaumaturgische Tugend wird von der Überlieferung auch den römischen Kaisern Hadrian und Vespasian bestätigt (Tacitus, <em>Hist</em>., IV, 81; Sueton, <em>Vespas</em>., VII). Bei den Karolingern finden wir Spuren einer Idee, derzufolge sich die soterische Kraft gleichsam materiell bis in die Königsgewänder auswirkt. Angefangen von Robert dem Frommen, über die Könige von Frankreich, und von Eduard dem Bekenner über jene von England, bis zum Zeitalter der Revolutionen, überträgt sich sodann auf dynastischem Wege die thaumaturgische Macht, die sich zunächst auf die Heilung aller Krankheiten erstreckt, sich später auf einige von ihnen beschränkt und sich in tausenden von Fällen erprobt hat, so sehr, daß sie nach einem Wort von Pierre Mathieu "als einziges Wunder von Dauer in der <a title="religion" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/religione/">Religion</a> der Christen" erscheint. Zu den geistigen Einflüssen, die sich in den Helden auswirkten, deren Kult man in Griechenland feierte, zählte man außer den prophetischen oft auch die soterische Tugend.]. Und sieht man auch ab von der tatsächlichen Angleichung der einzelnen Personen an sie, so bleibt doch die Idee bestehen, daß &#8220;das, was die Könige in solche Verehrung gebracht hat, hauptsächlich die göttlichen Tugenden und Kräfte gewesen sind, die nur in ihnen vorhanden waren und nicht auch in anderen Menschen&#8221;. Joseph de Maistre schreibt: &#8220;Gott setzt die Könige buchstäblich ein. Er bereitet die Königsgeschlechter vor; er läßt sie in einer Wolke gedeihen, die ihren Ursprung verhüllt. Endlich treten sie hervor, mit Ruhm und Ehre gekrönt; sie setzen sich ein, und das ist das größte Zeichen ihrer Rechtmäßigkeit. Sie steigen von selbst empor, ohne Gewalt von der einen Seite und ohne ausdrückliche Verhandlung von der anderen. Hier herrscht eine gewisse großartige Ruhe, die nicht leicht zu beschreiben ist. Rechtmäßige Usurpation – das schiene mir der treffendste Ausdruck (wäre er nicht zu kühn), um diese Art von Ursprung zu bezeichnen, dem die Zeit dann bald ihre Weihe erteilt.&#8221; [Auch in der iranischen Überlieferung herrschte die Ansicht, daß die Natur eines königlichen Wesens sich früher oder später unweigerlich durchsetzen müsse. Der Stelle von De Maistre entnimmt man den Brauch des symbolischen Verhüllens mit einer Wolke, den man traditionsgemäß, in Griechenland vor allem, auf die geraubten und unsterblich gemachten "Helden" anwandte; außerdem wird hier die alte mystische Idee des Sieges ersichtlich, insofern das "Sich-Einsetzen" nach De Maistre das "größte Zeichen für die Rechtmäßigkeit" der Könige ist.]</p>
<p style="text-align: justify;">(Veröffentlichung in: <em>Deutsches Adelsblatt</em>, 04.03.1933)</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/der-sakrale-charakter-des-konigtums.html' addthis:title='Der sakrale Charakter des Königtums ' ><a href="http://www.centrostudilaruna.it//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47597ad291fb" class="addthis_button_compact">Share</a><span class="addthis_separator">|</span><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a><a class="addthis_button_preferred_3"></a><a class="addthis_button_preferred_4"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Helios von Emesa</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 16:06:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franz Altheim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Münzen und Inschriften zeigen, daß der Sonnengott in Emesa sich keineswegs zu Iupiter, zu Baal oder Bel gewandelt hat, sondern der Sonnengott blieb.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/helios-von-emesa.html' addthis:title='Helios von Emesa '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/buddha.jpg" width="48" height="48" alt="" title="Religione" /><br/><p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B001Z73S9W/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B001Z73S9W" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-7319" style="margin: 10px;" title="der-unbesiegte-gott" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/der-unbesiegte-gott.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Auf den ersten Blick hin scheinen Verbindungen zu den Baalim von Baalbek und von Damaskus zu bestehen. Iupiter Helipolitanus und Iupiter Damascenus tragen die Übereinstimmung im Namen. Auch bei Emesas Gott konnte man die Frage aufwerfen, ob er Iupiter gleichzusetzen sei. Doch wird sich zeigen, daß es bei ihm anders liegt.</p>
<p style="text-align: justify;">In Baalbeek war die Dreiheit von Iupiter-Hadad, Venus-Atargatis und Mercurius-Schamasch nach ihrer Reihenfolge jüngeren Ursprungs. Anfänglich stand der Sonnengott, eben Schamasch, an der Spitze. Erst unter dem Einfluß babylonischer oder, wie das spätere <a title="Altertum" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/storia-antica/">Altertum</a> sie nannte: chaldäischer Vorstellungen wurde Hadad zum Herrn des Schicksals, rückte er an die erste Stelle. Schamaschi, nachträglich Mercurius gleichgesetzt, mußte sich mit einer dienenden Rolle begnügen: gleich dem Götterboten Hermes oder Mercurius wurde er zum ausführenden Organ des obersten Gottes. Im Pantheon von Palmyra stand Helios, der Sonnengott, neben Bel. Erneut war er Bote und Mittler, während Bel als Weltenherr im obersten Himmel thronte. Von seiner dienenden Stellung erhielt der Sonnengott den Namen: als Malakbel, ‚Bote des Bel’, begegnet er in der göttlichen Dreiheit Palmyras, wiederum Mercurius gleichgesetzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch in Emesa kannte man den babylonischen Schicksalsglauben und seine Zwillingsschwester, die Astrologie. Iulia, späterer Gattin des Kaisers Septimus Severus (193-211), war durch ihr Horoskop verheißen, sie werde dereinst einen Herrscher ehelichen; sie entstammte dem Priesterhaus von Emesa. Im Aithiopienroman Heliodors, der mancherlei von emesenischer Vorstellungswelt vermittelt, heißt es, die Bahn der Gestirne bestimme unentrinnbar das menschliche Geschick. Ausgrabungen nordöstlich der Stadt haben astrologische Tafeln in Keilschrift zutage gefördert.</p>
<p style="text-align: justify;">Und doch hat sich der Sonnengott in Emesa nicht, wie Schamasch in Baalbek und Palmyra, vom ersten Platz vertreiben lassen. Münzen und Inschriften zeigen, daß er sich keineswegs zu Iupiter, zu Baal oder Bel gewandelt hat, sondern der Sonnengott blieb. Deus Sol Elagabalus oder Invictus Sol Elagabalus lauten eindeutig; man versteht, daß auf einer Inschrift aus Cordoba der ‚große Helios’ von Emesa dem ägyptischen Sonnengott Re angeglichen ist. Auch als ‚Stammvater’ wurde er angerufen, wie denn Emesener zuweilen die Herkunft von der Sonne oder ‚dem Gott’ schlechthin im Namen tragen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch der zweite Gott, Dusares, hatte sich der Sonne verbunden, Hauptgott der Nabatäer, findet man ihn überall, wohin ihr Karawanenhandel und ihr Machtbereich sich erstreckt haben. Wie alle Sonnengötter trug Dusares den Beinamen des Unbesieglichen; er war mit Mithras verbunden, und sein Geburtstag fiel auf den 25. Dezember. Gleich dem göttlichen Herrn Emesas besaß er einen heiligen Stein.</p>
<p style="text-align: justify;">Man kennt diese Art der Verehrung auch bei dem Mondgott von Karrhai, überhaupt bei Göttern, die arabischen Ursprungs waren. Der Name dieser ‚Baityloi’ besagt, daß sie Wohnung der betreffenden Götter waren, nicht diese selbst. In Emesa besaß der heilige Stein die Gestalt eines Kegels, unten mit runder Grundfläche, oben spitz zulaufend. Erhebungen, die sich auf der Oberfläche abhoben, zeigten einen Adler mit Schlange im Schnabel. Man erkannte darin das <a title="symbol" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli/">Symbol</a> der Sonne. Wiederum also fiel der Stein nicht mit dieser zusammen; er trug ihr Bild. Und doch war der Gott in den Stein eingegangen, war ihm irgendwie gesellt, wie man dies auch von den zahlreichen Steinblöcken weiß, die im vorislamischen Arabien verehrt wurden.</p>
<p style="text-align: justify;">Meist hört man von ihnen, wenn muslimischer Gotteseifer daranging, solche Idole zu zerstören. Die Priester altarabischer Gottheiten mahnten diese, bei den Steinen den Kampf gegen die Vertreter der neuen <a title="Religion" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/religione/">Religion</a> zu wagen. Denn sie verlieren ihren Kult und ihr Ansehen, gelingt es ihnen nicht, ihren Stein und damit ihr ‚Haus’ zu behaupten. Ein Gott, der bei seinem Stein nicht kämpft, ist eine ‚wertlose Sache’. Al-Uzza, die einen ähnlichen Kampf verloren hat – es ging bei ihr nicht um heilige Steine, sondern um drei ihr gehörige Bäume – ‚wird hinfort nie wieder verehrt werden’, lautete das Urteil des siegreichen Propheten Mohammed (569 bis 632).</p>
<p style="text-align: justify;">Steine sind nicht einem bestimmten Ort verhaftet: sie sind beweglich. Einführung von Göttern geschieht derart, daß man sich Göttersteine schenken läßt oder aus bestehendem Heiligtum solche mitbringt. Als der Kult des Sonnengottes nach Rom verlegt wurde, wanderte Emesas heiliger Stein ans Tiberufer. Als man dort nach Elagabals Ermordung (222) sich des Fremdkultes zu entledigen wünschte, schickte man den Stein in seine syrische Heimat zurück.</p>
<p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/gp/product/B0025WEQ7E/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B0025WEQ7E" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-7318" style="margin: 10px;" title="entwicklungshilfe-im-altertum" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/entwicklungshilfe-im-altertum.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Neben der Verehrung des heiligen Steines steht, gleichfalls eine uralte Form, der Höhlenkult. ‚Elagabal’ war ursprünglich Name des Gottes selbst: er bezeichnete diesen als ‚Herrn des Berges’. Gemeint war der Burgberg von Emesa, denn dort hatte der Gott seinen Sitz. Aus der Ebene, darin die Stadt sich erstreckt, erhebt sich im Südwesten die Zitadelle, unmittelbar den nördlichen Ausläufern des Libanon gegenüber. Hier stand der Tempel, dessen First, nach den Worten eines antiken Gewährsmannes, mit den bewaldeten Höhen des Gebirges wetteiferte.</p>
<p style="text-align: justify;">Wieder läßt sich Dusares vergleichen. Südöstlich des Toten Meeres, schon an den Pforten des eigentlichen Arabien, liegt Petra. Hauptstadt der Nabatäer, gehörte es einem Volk, das seine Inschriften in einem überkommenen aramäischen Dialekt aufzeichnete, aber nach Ausweis seiner Eigennamen arabisch war. Inmitten eines steinernen Kessels, eingebettet in die roten und violetten Schroffen eines Felsmassivs von urtümlicher Gewalt, scheint dieses Petra seiner Umgebung entrückt. Nur ein steiniges Bachbett, das sich tief in die steilen Wände eingeschnitten hat, ermöglicht den Zugang. Stätte der Sicherheit, scheint dieser Ort durch seine Menschenferne, seine Verzauberung wie geschaffen, die Nähe der Gottheit empfinden zu lassen. Unter der Fülle der Gräber, Höhlen und Tempel beeindruckt der Opferplatz auf dem höchsten Gipfel in den anstehenden Fels geschnitten. Altar und Schlachtbank, das eingetiefte Becken, darein das Blut des Opfertieres floß, zwei Baitylen unweit davon – sie vermitteln eine Vorstellung davon, was ein altsemitischer Höhlenkult gewesen sein mag.</p>
<p style="text-align: justify;">Nicht zufällig wurden die angezogenen Vergleiche aus der arabischen Welt genommen. Dieser entstammen, wie gesagt, die Nabatäer und auch ihr göttlicher Herr Dusares. Emesas Gott wird in denselben Bereich führen.</p>
<p style="text-align: justify;">* * *</p>
<p style="text-align: justify;">Sorge: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B001Z73S9W/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B001Z73S9W"><em>Der unbesiegte Gott. Heidentum und Christentum</em></a>; Rowohlts Deutsche Enzyklopädie; Hamburg 1957.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/helios-von-emesa.html' addthis:title='Helios von Emesa ' ><a href="http://www.centrostudilaruna.it//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47597ad291fb" class="addthis_button_compact">Share</a><span class="addthis_separator">|</span><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a><a class="addthis_button_preferred_3"></a><a class="addthis_button_preferred_4"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Sippenpflege in Athen und in Sparta</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 14:18:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Friedrich Karl Günther</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/sippenpflege-in-athen-und-in-sparta.html' addthis:title='Sippenpflege in Athen und in Sparta '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/storia-antica.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Storia antica" /><br/><p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/gp/product/3922119387?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3922119387" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-4942" style="margin: 10px;" title="der-nordische-gedanke" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/der-nordische-gedanke.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Eine attische Sippenpflege [läßt sich im ganzen Hellenentum wahrnehmen], wenn auch nirgends so entschieden wie in Sparta, ein Rassenglaube, den Jacob Burckhardt so bezeichnet und eingehender dargestellt hat. Dieser Rassenglaube, ein Vertrauen zu den ausgesiebten Anlagen der bewährten Geschlechter und die Gewißheit, daß leibliche Vortrefflichkeit als ein Anzeichen geistigen und seelischen Vorrangs gelten dürfe, überdauert in Athen und bei anderen hellenischen Stämmen die Zeiten der Adelsherrschaft und der Tyrannis und reicht bei den Besten noch weit in die Zeiten der Volksherrschaft hinein. In Athens „Blütezeit“, einer Spätzeit der lebenskundlich gesehenen athenischen Geschichte, bricht der Rassenglaube noch einmal bei Euripides hervor. Überall bei den Hellenen verließ man sich <em>„auf den Anblick der Rasse, welche mit der physischen Schönheit den Aus-druck des Geistes verband“</em> (J. Burckhardt); es gab einen allgemeinen hellenischen Glau-ben <em>„an Erblichkeit der Fähigkeiten“</em>, eine allgemeine hellenische Überzeugung von der Unabänderlichkeit ererbter Eigenschaften: der Wohlgeborene sei durch nichts zu verschlechtern, der Schlechtgeborene durch nichts zu verbessern, und alle Schulung (<em>pai-deusis</em>) bedeute den Anlagen gegenüber nur wenig. Aus diesen Überzeugungen ergab sich die echt hellenische Zielsetzung der „Schön-Tüchtigkeit“ (<em>kalokagathía</em>), dieser Ausruf zuerst für die Gattenwahl und Kinderzeugung, dann für die Erziehung, die eine günstige Entfaltung guter Anlagen verbürgen sollte. Am mächtigsten bricht dieser Rassenglaube bei dem thebanischen Dichter Pindaros hervor (<em>Olympische Ode </em>IX, 152; X, 24/25; XI, 19 ff; XIII, 16; <em>Nemeische Ode </em>70 ff). Das Auslesevorbild des Wohlgearteten blieb bis in die Zerfallszeiten hinein in den besten Geschlechtern aller hellenischen Stämme bestehen. Die Bezeichnung gennaios enthält wie die lateinische Bezeichnung generosus („wohlgeboren, wohlgeartet“) die Vorstellung edler Artung als ererbter und vererblicher Beschaffenheit (vgl. auch Herodotos 111,81; Sohn XXIII, 20 D). Herodotos (VII, 204) zählt die tüchtigen Ahnen des bei den Thermopylen gefallenen Spartanerkönigs Leonidas auf bis zu Herakles zurück.</p>
<p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/gp/product/B0000BIVRW?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0000BIVRW" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-4943" style="margin: 10px;" title="formen-und-urgeschichte-der-ehe" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/formen-und-urgeschichte-der-ehe.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Die staatliche Stärke Spartas wurde von den hellenischen Geschichtsschreibern der Siebung, Auslese und Ausmerze des Stammes und seiner Geschlechter zugeschrieben. Xenophon hat in seiner Schrift über die Verfassung der Lakedaimonier (1,10; V, 9) zunächst ausgesprochen, die lykurgischen Gesetze hätten Sparta Männer verschafft, die durch hohen Wuchs und Kraft ausgezeichnet seien, und dann zusammenfassend geurteilt: <em>„Es ist leicht zu erkennen, daß diese [siebenden, auslesenden und ausmerzenden] Maßnahmen einen Stamm hervorbringen würden, überragend an Wuchs und Stärke; man wird nicht leicht ein gesünderes und tauglicheres Volk finden als die Spartaner”. </em>Herodotos (IX, 72) nennt die Spartaner die schönsten Männer unter den Hellenen. Die rassische Eigenart der Spartanerinnen wird durch den um – 650 in Sparta wirkenden Dichter Alkman (<em>Bruchstücke </em>54) gekennzeichnet, der seine Base Agesichora rühmt: ihr Haar blühe wie unvermischtes Gold über silberhellem Antlitz. Der Vergleich heller Haut mit dem Silber findet sich schon bei Homer. Im 5. Jh. rühmte der Dichter Bakchylides (XIX, 2) die „blonden Mädchen aus Lakonien“. Noch der Erzbischof von Thessalonike (Saloniki), der im 12 Jh. lebende Eustathios, der Erläuterungen zu Homer schrieb, bekundete bei Erwähnung einer Iliasstelle (IV, 141), bei den Spartanern hätten helle Haut und blondes Haar die Zeichen männlichen Wesens bedeutet.</p>
<p style="text-align: justify;">Einsichtige Männer der anderen hellenischen Stämme haben immer die edle Art des Spartanertums anerkannt, selbst dann, wenn ihr Heimatstaat mit Sparta im Kriege lag. Der weitblickende Thukydides (III, 83) beklagt das Schwinden des Edelmuts und der Auf-richtigkeit bei den Dorern während des Peloponnesischen Krieges, den seine Vaterstadt Athen gegen Sparta führte. In ganz Hellas haben die Edlergearteten in Sparta ein Wunschbild besten Hellenentums erblickt. So hat auch Platon gedacht, dessen Vorschläge zu einer staatlichen Erbpflege dem dorischen Vorbilde folgen. Männlichkeit und Staatsgesinnung des Dorertums in Sparta, dessen Bewahrung von Maß und Würde, diese apollinischen Züge eines sich selbst beherrschenden, zum Befehl geschaffenen Edelmannstums: alle diese Wesenszüge sind von den Besten in Hellas bewundert worden. Die gefestigte Einheitlichkeit spartanischen Wesens durch die Jahrhunderte ist aber sicherlich ein Ergebnis der bestimmt gerichteten Auslese im Stamm der Spartaner gewesen, einer bewußten Einhaltung der lykurgischen Ausleserichtung.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>* * *</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sorge: <em>Lebensgeschichte des hellenischen Volkes</em>, Pähl 1965, S. 158 f.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/sippenpflege-in-athen-und-in-sparta.html' addthis:title='Sippenpflege in Athen und in Sparta ' ><a href="http://www.centrostudilaruna.it//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47597ad291fb" class="addthis_button_compact">Share</a><span class="addthis_separator">|</span><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a><a class="addthis_button_preferred_3"></a><a class="addthis_button_preferred_4"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Die Drápa</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 10:26:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan de Vries</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die drápa war die beliebte Form des Preisliedes: der älteste uns bekannte Skalde Bragi inn gamli hat für sein Schildlied schon diese Form gewählt, und nachher haben die Fürsten immer die drápa als das ihnen gebührende Loblied betrachtet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/die-drapa.html' addthis:title='Die Drápa '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/letteratura48x48.png" width="48" height="48" alt="" title="Letteratura" /><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/storia-antica.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Storia antica" /><br/><p style="text-align: justify;"><img class="alignright size-medium wp-image-7103" style="margin: 10px;" title="ragnarsdrapa" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/ragnarsdrapa-235x300.jpg" alt="" width="235" height="300" />Die drápa war die beliebte Form des Preisliedes: der älteste uns bekannte Skalde Bragi inn gamli hat für sein Schildlied schon diese Form gewählt, und nachher haben die Fürsten immer die drápa als das ihnen gebührende Loblied betrachtet (1). Die metrische Form der <em>drápa </em>ist die <em>dróttkvætt-</em>Strophe (s. § 47). Auch die <em>lausavísur</em>, die uns von den ältesten Skalden überliefert worden sind (von denen aber eine nicht unbedeutende Zahl jüngeres Machwerk sein dürfte; s. § 76), haben regelmäßig denselben strophischen Bau; das <em>dróttkvætt </em>war also ebenfalls das Versmaß für die Stegreifpoesie. Daraus dürfen wir schließen, daß diese achtzeilige Strophe, die ihrer schwierigen Technik wegen in der höheren Kunstdichtung entstanden sein wird, schon so lange bei den Nordleuten gelebt hatte, daß sie auch in der Kunst des Alltags gebraucht werden konnte.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine drápa ist freilich weit mehr als eine lose Aneinanderreihung von <em>dróttkvætt-</em>Strophen — ein solches Lied wird <em>flokkr</em> genannt — sie ist ein wohlgeglidertes Ganzes, indem sie aus verschiedenen Teilen besteht, die durch einen Refrain (<em>stef</em>) abgeschlossen werden. Ob diese Teile gleichen Umfangs gewesen sind, läßt sich nicht feststellen, weil die Lieder der älteren Zeit nur trümmerhaft bewahrt geblieben sind; von mehreren Gedichten ist sogar nur so wenig bekannt, daß die <em>stef</em>-Zeilen ganz fehlen. Schon das Schildgedicht von Bragi zeigt diese Form der drápa; das <em>stef</em> enthält die Mitteilung, daß der Fürst Ragnarr ihm den Schild mit dem schönen Bilderschmuck geschenkt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Die drápa besteht gewöhnlich aus drei Teilen: ein Mittelstück (<em>stefjubálkr</em>) mit den Refrainzeilen, und daneben Einleitung (<em>upphaf</em>) und einen Schlußteil (<em>slœmr</em>), die beide wohl gleich groß sein mußten. Der <em>stefjubálkr </em>wird durch das <em>stef</em> in gleich große Abschnitte eingeteilt; das <em>stef </em>besteht aus einer oder mehreren Zeilen, die zuweilen innerhalb einer Strophe oder über mehrere verteilt sind (<em>klofastet</em>, <em>rekstef</em>). In den ältesten drápas (wie Egils <em>Hofuðlausn </em>und Bragis <em>Ragnarsdrápa</em>) wird das <em>stef </em>in besondere Halbstrophen zerlegt (2).</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft size-medium wp-image-7104" style="margin: 10px;" title="edda" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/edda-221x300.jpg" alt="" width="221" height="300" />Wir kennen aus der altgermanischen Poesie keine Beispiele für Refrainzeilen. Das muß also in Skandinavien eine Neubildung gewesen sein. Wir sehen dafür in der nichtskaldischen Kunst gar keine Voraussetzungen. Demgegenüber ist der Gebrauch von Kehrreimen in der geistlichen Dichtung des frühen <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo/">Mittelalters</a> (wie z. B. bei Otfrid) wohl bekannt. Es scheint demnach verlockend, hier den Einfluß lateinischer Formen anzunehmen. Aber es ist natürlich unmöglich, den Skalden des 9. Jahrhunderts Bekanntschaft mit der lateinischen Poesie zuzumuten; wie hat also der Kehrreim in Norwegen bekannt werden und dort seine Nachbildung im höﬁschen Preislied veranlassen können? Der Versuch, auch hier die Iren als Vermittler lateinischer Kunstformen eine Rolle spielen zu lassen (3), beweist nur, wie schwierig es ist, die verbindenden Fäden aufzudecken. Falls man Bragi als den Schöpfer der drápa betrachtet, könnte man ihm auch die Erﬁndung des Kehrreirnes zuschreiben, den er dann durch Vertrautheit mit irischen Gedichten gekannt hätte; aber was gibt uns das Recht anzunehmen, daß die erste uns überlieferte drápa auch wirklich der Ursprung dieser so furchtbaren Kunstform sein sollte?</p>
<p style="text-align: justify;">Wir wissen über die Poesie vor Bragis Zeit nichts, und das erschwert uns wesentlich das Urteil. Es wäre ja gar wohl möglich, daß die Strophen eines Götterhymnus mit einem Anruf der Gottheit abgeschlossen wurden; es läßt sich auch denken, daß in der magischen Praxis bestimmte Wiederholungen zu Kehrreimbildungen geworden waren. Die Hauptsache ist vielleicht nicht einmal der Gebrauch von Refrainzeilen, sondern die Verwundung solcher Zeilen als Mittel zum organischen Aufbau eines Gedichtes. Es läßt sich denken, daß die Form des Schildgedichtes — einer in der altnordischen Frühzeit ziemlich häufig vorkommenden Gattung — den Kehrreim von selbst hat entstehen lassen, weil die Beschreibung der einzelnen Bildfehler eine Gliederung des Liedes in mehrere Szenen notwendig machte.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn wir die Poesie des 11. oder 12. Jahrhunderts betrachten, bekommen wir den Eindruck, daß die drápa die vorherrschende Form des Preisliedes war. Der flokkr, das Preislied ohne Kehrreim, wurde jedenfalls als weniger bedeutend betrachtet; die Beispiele setzen auch erst ziemlich spät im Anfang des ll. Jahrhunderts ein (s. § 98). Durch eine glückliche Fügung ist uns aber die Skaldenpoesie gerade noch aus jener frühen Zeit überliefert worden, in der die drápa gar nicht die alleinherrschende Dichtform war, sondern daneben auch andere und ältere Formen gepﬂegt wurden (s. §§ 63 bis 65).</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn die drápa den Sieg davongetragen hat, so ist das für uns ein Fingerzeig, wie wir uns den poetischen Geschmack der Nordleute vorzustellen haben. Hier finden wir die Bestätigung dafür, daß das Einfache nicht mehr genügend fesseln konnte, nachdem<br />
man an dem reichen Bilderschmuck der Skalden Gefallen gefunden hatte.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>* * *</strong></p>
<p style="text-align: justify;">1) Man hat das Wort drápa, das zu <em>drepa</em> „schlagen“ gehort, auf verschiedene Weise erklärt. Vigfússon hat an das Schlagen der Harfe gedacht, F. Jónsson betrachtete es als das Lied, in dem von dem Erschlagen der Feinde erzählt wurde; G. Neckel, <em>Vom Germanentum </em>S. 259 „Gedicht von Hieb und Stich&#8221;. Einleuchtender ist die Erklärung von S. Nordal, APhS 6 (1931), S. 144-149, der darin einen Hinweis auf die Einfügung der Stef-strophe sieht, vgl. <em>kvæði drepit stefjum</em>.</p>
<p style="text-align: justify;">2) Vgl. Möbius, Germania 18 (1873), S. 129-147.</p>
<p style="text-align: justify;">3) Vgl. A. Heusler, <em>Altgermanische Dichtung </em>S. 130.</p>
<p style="text-align: justify;">Sorge: <em>Altnordische Literaturgeschichte</em>, Berlin-New York 1999 <em></em> (III), pp. 120-122.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/die-drapa.html' addthis:title='Die Drápa ' ><a href="http://www.centrostudilaruna.it//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47597ad291fb" class="addthis_button_compact">Share</a><span class="addthis_separator">|</span><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a><a class="addthis_button_preferred_3"></a><a class="addthis_button_preferred_4"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Autorenporträt &#8211; Julius Evola</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 16:20:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Adriano Romualdi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Julius Evola ist durch die Kraft seiner Persönlichkeit und die Klarheit seiner Orientirung noch immer der Mittelpunkt der jungen Intellektuellen der italienischen Rechten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/autorenportraet-julius-evola.html' addthis:title='Autorenporträt &#8211; Julius Evola '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/romualdi48x48.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Adriano Romualdi" /><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/evola48x48.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Julius Evola" /><br/><p style="text-align: justify;"><img class="alignright size-full wp-image-6656" style="margin: 10px;" title="200px-Evola" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/200px-Evola.jpg" alt="" width="200" height="269" />In Italien zeichnet sich derzeit das Entstehen einer Rechtskultur (<em>Cultura di destra</em>) ab, und es dürfte daher angebracht sein, einmal einen Blick auf Persönlichkeit und Werk dessen zu werfen, der lange Jahre hindurch als der &#8220;Meister im Hintergrund&#8221; des italienischen Konservativismus galt: <a title="Julius Evola" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/autori/julius-evola">Julius Evola</a>. Evola blieb als Autor ein Einzelgänger, isoliert von der akademischen Welt und jenen Zirkeln, die in Italien nach altem Herkommen, die &#8220;Kultur&#8221; unter sich ausmachen. Doch hat seine Doktrin auf der anderen Seite eine Generation junger Rechtsintellektuer geformt.</p>
<p style="text-align: justify;">1898 in Rom geboren nahm Evola als junger Mann am Ersten Weltkrieg teil, wenngleich seine Sympathien auch damals schon mehr der deutschen Seite galten. In den Nachskriegjahren durchlebte er eine existenzielle Krise. Er begab sich auf die Suche nach sich selbst: damals machte er es sich zur Lebensregel, keine Bindung, sei sie familiärer oder gesellschaftlicher Art, zu akzeptieren und jede Erfahrung nur deshalb zu machen, um sie hinter sich zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit 20 Jahren spielte Evola als Freund von Tristan Tzara eine führende Rolle unter den Dadaistens Italiens; einige seiner damals gemalten Bilder werden heute noch ausgestellt. Aber jene &#8220;innere Stille, tonlos und voll eisigen Feuers, eines Ruysbroeck oder eines Meister Eckhart&#8221;, die er in der abstrakten Kunst zu finden suchte, führte ihn bald auf andere Positionen. Zwischen 1922 und 1925 ging er in die Philosophie auf und schrieb zwei umfangreiche Werke: <em>Teoria dell&#8217;individuo assoluto</em> und <em>Fenomenologia dell&#8217;individuo assoluto</em>. In ihnen kritisiert er unter Bezugnahme auf die unsprünglichen Quellen des Idealismus die flachen neo-idealistischen Philosophie Italiens (Croce und Gentile). Die Philosophie Evolas nimmt den unsprünglichen Quellen Anspruch des Idealismus &#8211; alles auf das Ich zu gründen &#8211; wieder auf und verbindet ihn mit dem französischen Personalismus (Lachelier, Secretan, Lagneau) und der Wissenschaftskritik von Boutroux und Renouvier. Auf dieser Basis entwickelt Evola einen &#8220;magischen Idealismus&#8221;. Unter Berufung auf Novalis, aber auch auf Nietzsche, Weininger und Michaelstaedter behauptet Evola die absolute Kraft und die Autarkie des Ich. Die Philosophie Evolas weckte das Interesse einiger Gelehrter wie Adriano Tilgher, eine Abhandlung wurde auch ins Deutsche übersetzt (<em>Die drei Epochen des Gewißheitsproblems</em>, in &#8220;Logos&#8221; 1931), doch blieb die akademische Welt im großen und ganzen feindselig. Auf der anderen Seite hatte Evola über seine <em>Saggi sull&#8217;Idealismo magico</em> das Wort Lagneaus gesetzt: &#8220;La philosophie c&#8217;est la reflexion aboutissant à reconnaitre sa propre insuffisance et la necessité d&#8217;une action absolue partant du dedans&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser &#8220;von innen ausgehenden absoluten Aktion&#8221; widmete Evola seine weiteren Studien, beginnend mit den Initiationstechniken und den okkulten Disziplinen. Es entstanden <em>L&#8217;uomo come potenza</em> (1925), <em>La tradizione ermetica</em> (1931), <em>Maschera e volto dello spiritualismo contemporaneo</em> (1932). Evolas Buch über den Buddhismus <em>La dottrina del risveglio</em> fand die Anerkennung der Pali-Society in London.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B003MSENGO?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B003MSENGO"><img class="alignleft size-full wp-image-6658" title="menschen-inmitten-von-ruinen" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/menschen-inmitten-von-ruinen.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Mittlerweile war <a title="Evola" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/autori/julius-evola">Evola</a> in Verbindung mit dem großen Meister der Esoterik <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">René Guénon</a></span> getreten. Im direkten Kontakt mit <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">Guénon</a></span> und unter Bezugnahme auf seine Lehre von einer ursprünglichen Tradition schrieb Evola <em>Rivolta contro il mondo moderno</em>. Dieses Buch ist das Hauptwerk Evolas, eine Geschichtsphilosophie, in der die Welt der Tradition mit den Werten des Heiligen und des Ewigen der Welt der Modernen mit den Kriterien der Nützlichkeit und der Zeitlichkeit gegenüberstellt wird. Evola sieht die Ursprünge der modernen Welt im christlichen Egalitarismus, im bürgerlichen Rationalismus und in der weltlichen Kultur der Reinassance. Nach der letzten europäischen Zivilisation auf der Grundlage der Tradition &#8211; der mittelalterlichen und ghibellinischen &#8211; setzt ein Prozeß der Dekadenz ein, der sich mit der französischen und der russischen Revolution überschlägt. Das 1934 geschriebene Buch schließt mit einem Ausblick auf das von den amerikanischen und sowjetischen Kolossen bedrohte Europa.</p>
<p style="text-align: justify;">Ins Deutsche übertragen (<em>Erhebung wider die moderne Welt</em>) erregt das Buch große Aufmerksamkeit. Gottfried Benn schrieb in &#8220;Die Literatur&#8221;, es handele sich um &#8220;ein Buch, dessen Idee samt ihrer Begründung die Horizonte nahezu aller europäischen Probleme in etwas bisher Unbekanntes und Unsichtbares weiterrückt; wer das Buch gelesen hat wird Europa anders sehen&#8221;. Die Beschäftigung mit der europäischen. Krise brachte Evola in die Nähe jener konservativen Zirkel um das Jahr 1930, die gluaben, bestimmte positivere Aspekte des Faschismus ausnutzen zu können. Ohne der faschistischen Partei beizutreten stand <a title="Evola" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/autori/julius-evola">Evola</a> in Kontakt mit jenen faschistischen Gruppen, die eine &#8220;zweite Revolution&#8221; herbeizuführen versuchten. Diesen Gruppen widmete er sein Buch <em>Imperialismo pagano</em>, das unter dem Titel <em>Heidnischer Imperialismus</em> ins Deutsche übersetzt wurde. In Wien trat Evola in Verbindung mit Othmar Spann und Walter Heinrich; in Hamburg mit Wilhelm Stapel und der Gruppe um das &#8220;Deutsche Volkstum&#8221;; in Berlin mit Heinrich von Gleichen, der ihn zu zwei Vorträgen in den &#8220;Herrenklub&#8221; einlud. Er arbeitete auch an der &#8220;Europäischen Revue&#8221; des Prinzen Karl Anton von Rohan mit. Aus dieser Zeit stammt auch seine Beschäftigung mit der Rassenlehre, die bei ihm die materialistischen und kollektivistischen Züge verlor und unter dem Blickwinkel einer qualitativen und aristokratischen Welt gesehen wurde.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3934291228?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3934291228"><img class="alignright size-full wp-image-6657" title="cavalcare-la-tigre" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/cavalcare-la-tigre1.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Das Kriegsende überraschte <a title="Evola" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/autori/julius-evola">Evola</a> in Wien. Während die Stadt von den Russen angegriffen wurde, wurde Evola durch eine Bombe verwundet und an beiden Beinen gelähmt. Nach drei Jahren in österreichischen Krankenhäusern kejrte er 1948 nach Rom zurück. Dort inspirierte er eine neue Generation von Rechtsintellektuellen, die sich um das Movimento Sociale Italiano gruppierten. Für diese jungen Leute schrieb er <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B003MSENGO?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B003MSENGO"><em>Gli uomini e le rovine</em></a>, ein Buch, das in 10 Jahren dreimal wiederaufgelegt und in das Französische übersetzt wurde. <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B003MSENGO?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B003MSENGO">Gli uomini e le rovine</a> </em>möchte die Ausgangspunkte im politischen Bereich ausfindig machen, die nach der Katastrophe, die die konservativen Kräfte verschlungen hatte, noch vorhanden waren. Evola setzt der bürgerlichen Idee der &#8220;Gesellschaft&#8221; die aristokratische des &#8220;Staates&#8221; entgegen und strebt ein vereintes Europa unter dem <a title="Symbol" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/temi/simboli">Symbol</a> des Ghibellinismus an. Doch führte der politische Stillstand am Ende der 50er Jahre Evola zur Beschäftigung mit den individuellen Lösungen von Lebensfragen. Er wendet sein Interesse jenen individuellen Lösungen zu, die es ermöglichen, unversehrt die Steinwüsten der modernen Welt zu durchqueren. So entsteht <a title="Cavalcare la tigre" href="http://www.amazon.de/gp/product/3934291228?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3934291228"><em>Cavalcare la tigre</em></a>, das seinen Titel vom orientalischen Spruch &#8220;wer auf dem Tiger reitet, kann nicht abspringen&#8221; nimmt und einte Art Manifest eines &#8220;Nihilismus von Rechts&#8221; darstellt. Evola zeichnet hier das Bild eines differenzierten Menschen, der fähig ist, in einer Welt zu leben, die nicht die seine ist, ohne an ihr zugrundezugehen, fähig, aus jedem Gift ein Gegengift zu machen. Daß Evolas &#8220;Traditionalismus&#8221; nichts mit einem flachen Moralismus zu tun hat, zeigt sich auch in seinem Buch über den Sexus, das auch ins Deutsche übertragen wurde (<em>Metaphysik des Sexus</em>, Klett Verlag 1961). In ihm spricht Evola vom Sexus als einer lezten Möglichkeit der Öffnung zum Ewigen und Unbedingten und verurteilt die regressiven und kollektivistischen Formen der Sexualität. Mit 74 Jahren ist Julius Evola durch die Kraft seiner Persönlichkeit und die Klarheit seiner Orientirung noch immer der Mittelpunkt der jungen Intellektuellen der italienischen Rechten.</p>
<p style="text-align: justify;">* * *</p>
<p style="text-align: justify;">Sorge: <em>Criticón</em> n. 10, (1972), pp. 52-53.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/autorenportraet-julius-evola.html' addthis:title='Autorenporträt &#8211; Julius Evola ' ><a href="http://www.centrostudilaruna.it//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47597ad291fb" class="addthis_button_compact">Share</a><span class="addthis_separator">|</span><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a><a class="addthis_button_preferred_3"></a><a class="addthis_button_preferred_4"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Rassengeschichte des deutschen Volkes</title>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 15:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Friedrich Karl Günther</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die spätere Ausbreitung des Germanentums führte schließlich zur Ausbreitung der Germanen über ganz Mitteleuropa und darüber hinaus und so zum Zusammenstoß mit dem Römischen Reiche]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/rassengeschichte-des-deutschen-volkes.html' addthis:title='Rassengeschichte des deutschen Volkes '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/labrys.png" width="48" height="48" alt="" title="Indoeuropei" /><br/><p style="text-align: justify;">Jene letzte Völkerwelle überwiegend nordischer Rasse, welche den  Zeitraum von 120 v. Chr. bis etwa 600 n. Chr. erfüllt, die Völkerwelle  der germanischen Ausbreitung, unter den nordischen Völkerwellen  wahrscheinlich nicht die mächtigste, ist für die Geschichte des  Abendlandes hauptsächlich durch das Ereignis wichtig geworden, das man  als Völkerwanderung bezeichnet hat, das man aber besser als letzte  Völkerwanderung oder als Germanische Völkerwanderung bezeichnen sollte.  Ihr folgten als eine schwächere Welle überwiegend nordischer Ausbreitung  von etwa 700 bis 1100 die Wikingszüge und die normannischen  Eroberungen. Aber auch die Kriegszüge der Schweden unter Gustav Adolf  und Karl XII könnte man noch als schwächere nordische Völkerwellen  deuten.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon in der Jungsteinzeit lassen sich Völkerbewegungen erkennen,  welche von Nordwestdeutschland ausgehen, einem Gebiete, in welchem  Stämme gesiedelt haben müssen, die später als Germanen aufgetreten sind.  Das Germanentum ist, wie S. 104 erläutert worden ist, entstanden aus  einer gegenseitigen Durchdringung der fälisch-nordischen  Megalithkeramiker, der (ihrer Rasse nach wahrscheinlich den  Schnurkeramikern nahestehenden) jutländischen Einzelgrabbevölkerung und  der nordischen Schnurkeramiker, die gegen Ende der Jungsteinzeit  Nordwesteuropa durchdrungen haben. Megalithkeramische und  schnurkeramische Gesittungsgüter haben den Grund gelegt zur Entstehung  der bronzezeitlichen Gesittung des Germanentums, dessen Kerngebiet  damals Dänemark ausgemacht haben wird.</p>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_4679" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/siedlungsgebiet-der-germanen.jpg"><img class="size-full wp-image-4679" title="siedlungsgebiet-der-germanen" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/siedlungsgebiet-der-germanen.jpg" alt="" width="500" height="750" /></a><p class="wp-caption-text">Das geschlossene Siedlungsgebiet der Germanen um 2000 v. Chr. (nach Montelius)</p></div>
<p style="text-align: justify;">Die Germanen waren aber schon in der  Jungsteinzeit über das geschlossene Siedlungsgebiet hinaus nach  Finnland, in die baltischen Küstenländer, nach Mitteldeutschland und der  Weichel entlang bis nach Galizien vorgedrungen. Sprachlich haben sich  die Germanen (durch die I. Lautverschiebung) vermutlich um 500 v. Chr.  von den anderen Völkern indogermanischer Sprache getrennt. Im Zeitraum  von 120 v. Chr. bis 600 n. Chr. haben sich germanische Stämme über ganz  Mittel-, West- und Südeuropa verbreitet. Sprachlich haben sich die  einzelnen germanischen Stämme im 4. Jahrhundert n. Chr. voneinander  getrennt.</p>
<p style="text-align: justify;">Hauptsächlich in Dänemark hat das bronzezeitliche Germanentum auch  einen Einschlag einer oder mehrerer breitgesichtig-kurzköpfiger Rassen  aufgenommen, welcher Einschlag aber wahrscheinlich mehr in der  Unterschicht verblieb. In der Hauptsache stellt das bronzezeitliche  Germanentum ein nordisch-fälisches Rassengemisch dar, in welchem sich  mit der Zeit und anscheinend vor allem während der Eisenzeit die  nordische Rasse stärker vermehrt zu haben scheint.</p>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_4680" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/ausbreitung-der-germanen.jpg"><img class="size-full wp-image-4680 " title="ausbreitung-der-germanen" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/ausbreitung-der-germanen.jpg" alt="" width="600" height="360" /></a><p class="wp-caption-text">Die Ausbreitung der Germanen zwischen 1750 und 100 v. Chr.: 1. Südgrenze des geschlossenen Siedlungsgebiets der Germanen 1750—1400 v. Chr. (nach Kossina). 2. Südgrenze des geschlossenen Siedlungsgebiets der Germanen 1400—750 v. Chr. (nach Kossina). 3. Das Vordringen der swebisch-erminonischen Stämme der Germanen bis um 600 v. Chr. (nach Wahle und Kossina). 4. Das Vordringen der swebisch-erminonischen Stämme der Germanen bis um 100 v. Chr. (nach Kossina).</p></div>
<p style="text-align: justify;">Innerhalb des als urgermanisch anzusprechenden Gesamtgebiets  Nordwesteuropas tritt in der Jungsteinzeit die höchste Wirtschaftsform,  die Pflugwirtschaft, am frühesten auf. Das Klima, etwas wärmer und  minder feucht als im heutigen Nordwesteuropa, scheint die Entwicklung  dieser urgermanischen Gesittung gefördert zu haben, die in der  Bronzezeit bei schon ziemlich dichter Bevölkerung Nordwestdeutschlands  zu einer Blüte des Bronzegusses geführt hat, welche in diesem  Zeitabschnitt den Nordwesten Europas als das künstlerisch höchststehende  Gebiet Europas erscheinen läßt.</p>
<p style="text-align: justify;">Von den beiden einander durchdringenden Gesittungskreisen, aus  denen das Germanentum sich hauptsächlich ableiten läßt, dem  megalithkeramischen und dem schnurkeramischen, zeigt sich — offenbar  entsprechend dem fälischen Einschlag — der Kreis der Megalithkeramik  beharrender, zeigt sich der seiner Rasse nach nordischere Kreis der  Schnurkeramik Neuerungen zugeneigt. Vom schnurkeramischen Gebiete hatte  auch die Leichenverbrennung auf das megalithkeramische übergegriffen.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/386647332X?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=386647332X" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-4939" style="margin: 10px;" title="tacitus-germania" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/tacitus-germania.jpg" alt="" width="160" height="242" /></a>Die spätere Ausbreitung des Germanentums ist oben (S.118 u. Karte  XII) schon erwähnt worden und geht aus Karte XIII hervor. Sie führte  schließlich zur Ausbreitung der Germanen über ganz Mitteleuropa und  darüber hinaus und so zum Zusammenstoß mit dem Römischen Reiche. Der  Römer Tacitus (gestorben 117 n. Chr.) beschreibt in seiner <a title="Germania" href="http://www.amazon.de/gp/product/386647332X?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=386647332X"><em>Germania</em></a> (98—99 n. Chr.) die Germanen auf heutigem deutschen Boden als ein Volk  „rein und nur sich selber gleich“, als hochgewachsene, blonde,  blauäugige Menschen. Die gleichen leiblichen Züge und im ganzen die  seelischen Eigenschaften der nordischen Rasse finden sich auch in den  Schriften anderer römischer Geschichtsschreiber als kennzeichnend  germanisch Überliefert. Nur die Germanen des heutigen  Nordwestdeutschlands, die Chauken, im Gebiete zwischen Ems und  Niederelbe, schildert Tacitus so, daß man den fälischen Einschlag, den  die Gräberfunde anzeigen, auch in der Schilderung des seelischen  Verhaltens dieses Stammes angedeutet finden möchte.</p>
<p style="text-align: justify;">In der römischen Kaiserzeit gingen die Germanen von der  Leichenverbrennung zur Bestattung über, der Bestattung in sog.  „Reihengräbern“. Seit dieser Zeit sind wieder genug Gebeinreste  erhalten, um ein rassenkundliches Zeugnis über die Germanen abzugeben,  welches die Angaben der römischen Schriftsteller ergänzen kann. Da  zeigen die Reihengräber des binnenländischen Nordwestdeutschlands  deutlich den fälischen Einschlag, die Reihengräber außerhalb dieses  Gebiets das starke Vorwiegen der nordischen Rasse. Der Index von  Schädeln der fränkischen, burgundischen und gotischen Reihengräber ist  im Mittel etwa 73-75. Einzelne alemannische Reihengräber auf  süddeutschem Boden zeigen schon einen stärkeren kurzköpfigen Einschlag,  Beimischungen der ostischen und wohl auch der dinarischen Rasse. Doch  mag Mittel- und Westeuropa zur Zeit der merowingischen Frankenkönige mit  Ausnahme der Knechteschicht fast so nordisch gewesen sein wie heute  Norwegen und Schweden.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit Ausnahme der Knechteschicht — auch wenn Tacitus die Germanen  schildert, faßt er nur die Freien ins Auge, welche zusammen allein das  „Volk“ ausmachten. Die Unfreien, die Knechte sowie Freigelassene,  zählten nicht zum „Volke“, weder nach germanischer noch nach römischer  Auffassung. Auch die Germanien durchziehenden Landfremden, etwa  römische, syrische und jüdische Händler, zählten selbst nach langem  Aufenthalte in germanischem Gebiete nicht dazu. Indessen war die  Knechteschicht, die Unfreien, im germanischen Gebiete verhältnismäßig  nicht zahlreich. Durchaus nichtnordisch kann sie nicht gewesen sein,  denn kriegsgefangene <a title="Kelten" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/celti">Kelten</a>, darunter auch solche vorwiegend nordischer  Rasse, waren ebenso in sie eingegangen wie Germanen aus Stämmen, die  untereinander im Kampfe gelegen hatten. Die nichtnordischen Einschläge  des heutigen deutschen Volkes stammen — abgesehen von späteren  Zuwanderungen Fremdvölkischer in das deutsche Sprachgebiet — in der  Hauptsache aus der ursprünglich verhältnismäßig schwachen Knechteschicht  der Germanenstämme und später auch der eingedeutschten slawischen  Stämme; der nordische Einschlag im heutigen deutschen Volke könnte zum  Teil auf die nordischen <a title="Kelten" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/celti">Kelten</a>, ja schließlich auch auf die Uritaliker  zurückgehen; in der Hauptsache ist er auf die Erbanlagen der  frühmittelalterlichen Germanenstämme auf mitteleuropäischem Boden  zurückzuführen. Auf welche Weise die ursprünglich geringen Einschläge  nichtnordischer Rasse innerhalb der deutschen Stämme des Germanentums  sich mehren, die Erbanlagen der vorwiegend nordischen und der  nordisch-fälischen Germanen innerhalb der deutschen Stämme  verhältnismäßig abnehmen konnten, so daß die heutige  Rassenzusammensetzung des deutschen Volkes entstand, ist im folgenden zu  erwägen, wurde aber schon angedeutet durch das Beispiel nach Siemens,  welches S. 73 angeführt worden ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Rassenkreuzungen der überwiegend nordischen Germanen mit  nichtnordischen Menschen traten wohl öfters in dem Falle ein, daß eine  auf Eroberung von Ackerland ausgezogene junge Mannschaft keine eigenen  Frauen oder zu wenig eigene Frauen mit sich führte und im eroberten  Gebiet fremdstämmige Frauen nahm. Auf solche Umstände weisen schon  jungsteinzeitliche Gräberfunde auf schlesischem und böhmischem Gebiete.  Möglichkeiten der Rassenkreuzung ergaben sich auch im  römisch-germanischen Grenzgebiet, vor allem in den Römerstädten und  ihrer Umgebung in Süd- und Westdeutschland. Doch ist es sehr fraglich,  ob die Schicht der Freien eheliche Verbindungen mit der  nichtgermanischen Bevölkerung solcher Gebiete in nennenswerter Zahl  einging. Noch bis ins <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a> hinein läßt sich ja mindestens bei der  Herrenschicht der Deutschen eine Mißachtung der dunklen Haut-, Haar-  und Augenfarben erkennen, die wahrscheinlich bis in die unteren Stände  hinein wirkte; noch bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts galt ja in den  Völkern germanischer Sprache und darüber hinaus — wie ich in <em>Adel und  Rasse</em> (2. Aufl. 1928) nachzuweisen versucht habe — nur der nordische  Mensch als schön, und diese Einschätzung nordischer Rassenmerkmale hat  sich bis heute noch nicht ganz verloren. Auf Verbindungen der freien  Schicht mit der unfreien stand in vielen Germanenstämmen die  Todesstrafe. Das westgotische Gesetz spricht deutlich aus, ein Freier  beschmutze durch eine Verbindung mit einer Unfreien die Reinheit seines  Blutes (<em>claritas generis sordescit</em>).</p>
<p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/gp/product/3922119387?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3922119387" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-4942" style="margin: 10px;" title="der-nordische-gedanke" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/der-nordische-gedanke.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Die Beseitigung solcher Rassenschranken brachte erst das  Christentum. Von seiner Einführung an läßt sich eine allmähliche Zunahme  von Rassenkreuzungen verfolgen. „Hier ist kein Jude noch Grieche; kein  Knecht noch Freier“, hatte Paulus im <em>Galaterbriefe </em>(3, 28) in Hinblick  auf jenseitige Dinge gelehrt. Das frühe Christentum, dem bei seiner  Jenseitigkeit sogar die Sklavenfrage im Bereich der Mittelmeervölker  gleichgültig gewesen war, konnte sich nach seiner Erhebung zum  Staatsglauben gewissen Folgerungen für diesseitige Verhältnisse nicht  entziehen. So konnte ein Satz wie der mitgeteilte aus dem <em>Galaterbriefe </em>diesseitig verstanden werden und wurde es mit der Zeit. Etwa mit dem 9.  Jahrhundert begann die Absonderung der Freien von den Unfreien zu  schwinden, in Niedersachsen hielt sich aber die einer Rassenschranke  gleichkommende Schranke zwischen Freien und Unfreien noch im 11.  Jahrhundert. Die Kirche trug zur Beseitigung der Rassenschranken dadurch  viel bei, daß sie Unfreie — anscheinend gerade wegen deren Gefügigkeit  ihren Oberen gegenüber — zu Geistlichen machte, wodurch diese nach  geltendem Rechte zu Freien wurden. Manche Unfreien gingen im <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a> durch Kirchendienst als Ministerialen in den Ritterstand über. Vom 12.  und 13. Jahrhundert ab gab es in den nunmehr aufkommenden Städten keine  Unfreien mehr; Stadtluft machte frei, wie man sagte; die Kirche ließ  jeden Teilnehmer an einem Kreuzzuge für frei erklären.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotz alledem blieb eine gewisse Rassenschichtung, wenn auch nicht  mehr so deutlich wie in der germanischen Frühzeit, durch das ganze <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo"> Mittelalter</a> hindurch und darüber hinaus bestehen. Aus der  Rassenschichtung der vorchristlichen Zeit wurde die mittelalterliche  Ständeschichtung, welche im großen ganzen von den unteren, an nordischem  Blute durchschnittlich ärmsten Ständen zu den oberen, an nordischem  Blute verhältnismäßig reichsten Ständen führte. Ein provenzalischer  Bericht des 13. Jahrhunderts schildert deutsche, wahrscheinlich der  Mehrzahl nach ritterliche Kreuzfahrer, welche durch Südfrankreich zogen,  in leiblichen und seelischen Zügen als durchaus nordische Menschen.</p>
<p style="text-align: justify;">Eben den an nordischem Blute reichsten Volksteil trafen aber  Fehden, Kreuzzüge und Kriege des Mittelalters bei weitem stärker als die  mindernordischen Schichten. Die nordischste Volksschicht war ja  zugleich diejenige, welche allein die Kriege zu führen hatte. Die  Schlachten der Ritterheere waren aber zumeist sehr verlustreich. Eine  weitere Ausmerze nordischen Blutes bedeutete die Ehelosigkeit der  Angehörigen von Ritterorden, ferner die Ehelosigkeit der Geistlichen,  unter welchen viele Vertreter der an nordischem Blute reichsten Stände  waren. Mit der Entwicklung der Städte zu Bildungsmittelpunkten und  später auch zu Machtmittelpunkten wurden diese gerade für den zum  Geistesleben, zur Führung und zur Macht hingezogenen unternehmenderen  Menschenschlag, den nordischen, anlockend. Sobald aber eine Familie  ihren ländlichen Besitz aufgegeben hat und städtisch geworden ist, hat  sie auch zumeist die Wendung zu ihrem Aussterben genommen. Man weiß, daß  die Sterblichkeit, vor allem auch die Kindersterblichkeit, in den  ungesunden mittelalterlichen Städten sehr hoch war, und hat  festgestellt, wie in diesen Städten, so wie es heute noch geschieht,  dauernd ältere Familiennamen verschwinden, neue aufkommen. So muß die  Stadt zur Ausmerze der nordischen Rasse seit dem <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a> viel  beigetragen haben, zumal sie durch ihre Bildungseinrichtungen gerade  Menschen aus führenden oder zur Führung befähigten Geschlechtern auch  dauernd Berufen zugeführt hat — z. B. den Berufen des Gelehrten, des  Geistlichen, des Künstlers —, mit denen sehr oft Ehelosigkeit verbunden  war und ist. Von jeher hat auch gerade in aufwärtsstrebenden Familien,  wie sie innerhalb der nordischen Rasse entsprechend den seelischen  Eigenschaften dieser Rasse häufiger find, die Neigung oder der  empfundene Zwang zu „standesgemäßem Auftreten“ Kinderarmut bewirkt.  Solche Umstände zusammengenommen haben dahin geführt, daß die nordische  Rasse im deutschen Volke schließlich im Kampf ums Dasein — den allein  die Geburtenzahl entscheidet! — unterlegen ist, obschon oder gerade weil  eine verhältnismäßig hohe Anzahl vorwiegend nordischer Menschen in die  führenden Schichten und innerhalb der führenden Schichten aufgestiegen  ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotz allen größeren Verlusten werden die an nordischem Blute  reicheren mittleren und oberen Stände des deutschen Volkes vielleicht  noch über das <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a> hinaus kinderreicher gewesen sein als die  unteren Stände, bei denen die Kindersterblichkeit sehr wahrscheinlich  viel größer war als die nicht geringe Kindersterblichkeit bei den  mittleren und oberen Ständen. Bis in die Gegenwart hinein bestanden für  die unteren, an nordischem Blute durchschnittlich ärmsten Volksschichten  Einschränkungen der Heiratsbewilligung, da nach deutschrechtlichen  Anschauungen nur derjenige ein Recht auf Ehe hatte, der die Erhaltung  einer Familie gewährleisten konnte. In Bayern erhielt noch bis 1868  derjenige die Heiratserlaubnis nicht, der in den letzten drei Jahren  eine öffentliche Armenunterstützung bezogen hatte. Solche und ähnliche  Bestimmungen beschränkten bis ins 19. Jahrhundert hinein die Zahl der  Ehen und der Geburten in den untersten, an nordischem Blute  durchschnittlich ärmsten Schichten.</p>
<p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/gp/product/B0000BIVRW?ie=UTF8&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0000BIVRW" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-4943" style="margin: 10px;" title="formen-und-urgeschichte-der-ehe" src="http://www.centrostudilaruna.it/wp-content/uploads/formen-und-urgeschichte-der-ehe.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Allerlei Gesetze richteten sich auch gegen das Einsickern  wendischen Blutes. Die slawische Besiedlung Ostdeutschlands mit ihren  Folgen für die rassische Zusammensetzung des deutschen Volkes ist  S.111/112 erwähnt worden. Gegen die Vermischung der zur deutschen  Sprache und schließlich ins deutsche Volkstum übergehenden Unterschicht  slawischer Herkunft richteten sich behördliche Bestimmungen,  Zunftgesetze, Heiratsgebräuche und Sitten, die sich da und dort bis ins  18. Jahrhundert gehalten haben. Sie haben wahrscheinlich auch dazu  beigetragen, daß der wendische Bevölkerungsteil mindestens nicht  kinderreicher war als der deutsche. Diese blutmäßige Absonderung der  Wenden von den Deutschen war die Absonderung eines Volkstums vom  anderen, nicht einer Rasse von der anderen; sie muß in rassenkundlicher  Hinsicht etwa als die Absonderung eines Volkes mit stärkerem nordischem  Einschlage von einem Volke mit stärkerem ostbaltischem Einschlage  gewirkt haben. Im Südosten des deutschen Sprachgebietes bewirkte der  Übergang von Menschen südslawischen Volkstums ins deutsche Volkstum eine  Mehrung des dinarischen Einschlags. Es ist jedoch zu bedenken, daß  mindestens die Oberschicht der südslawischen Stämme noch bis ins frühe <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo"> Mittelalter</a> hinein einen starken nordischen Einschlag besaß. Durch den  Übergang von Südslawen, mehr noch durch den Übergang von Madjaren und in  neuerer Zeit den Übergang sehr vieler Tschechen zum deutschen Volkstum —  man denke nur an die tschechische Herkunft vieler Wiener, anscheinend  besonders im Bezirke Hernals, der auch bemerkenswert heller erscheint  als andere Wiener Bezirke — erhielt der Südosten des deutschen  Sprachgebiets den wahrnehmbaren ostbaltischen Einschlag, der sich nach  dem Eindrucke des Anthropologen v. Eickstedt auch im seelischen  Verhalten der Wiener Bevölkerung deutlich zu erkennen gibt.</p>
<p style="text-align: justify;">Diesen ostbaltischen Einschlag im Südosten des deutschen  Sprachgebiets möchte ich hauptsächlich auf Einwanderungen erst des 19.  Jahrhunderts, vor allem aber auf die seit dem 19. Jahrhundert möglich  gewordene stärkere Fortpflanzung solcher Eingewanderter zurückführen.  Allem Anschein nach hat doch erst das 19. Jahrhundert den seither  kennzeichnenden Kinderreichtum der Unterschicht herbeigeführt, indem  erst dieses Jahrhundert des sich ausbreitenden Großgewerbes  („Industriezeitalter“) auch minder urteilsfähigen, minder vordenklichen,  minder schöpferischen und unternehmenden Menschen, schließlich sogar  durch seine sich mehrenden Fabrikbetriebe sogar ausgesprochen  urteilslosen, begabungslosen, ja leiblich und seelisch minderwertigen  Menschen die Möglichkeiten zu Erwerb, Familiengründung und sogar  Kinderreichtum verschafft hat. Die soziale Gesetzgebung mit ihren  verschiedenen Arten von „Fürsorge“ hat schließlich diese  Ausleseverhältnisse im ganzen Abendlande dahin gesteigert, daß gerade  Menschen mit ausgesprochen gesellschaftsfeindlichen („asozialen“),  gemeinschaftszerrüttenden Erbanlagen sich stärker fortpflanzen konnten  als diejenigen tüchtigeren Menschen, welche durch ihre Steuern die  Mittel für die vielerlei Fürsorgeeinrichtungen aufzubringen hatten und  haben und welche unter dem Druck solcher Verhältnisse ihre Kinderzahl  absichtlich klein hielten und hatten.</p>
<p style="text-align: justify;">Solange das handwerkliche Zeitalter andauerte, muß wohl der  nordische Mensch im Erwerbsleben und vor allem in der Familiengründung  und Kinderaufzucht begünstigt oder doch minder gehemmt gewesen sein als  die Menschen der nichtnordischen Rassen Europas. Trotz den Verlusten,  denen die nordische Rasse durch ihre Eignung zum Kriegertum, zum  staatlichen und geistigen Führertum, immer ausgesetzt war, trotz den  Verlusten, welche eben diese Rasse seit der Erschließung der  außereuropäischen Erdteile, besonders Nordamerikas, durch Auswanderungen  erlitt — man hat festgestellt, daß bis etwa in das letzte Drittel des  19. Jahrhunderts die Auswandernden aller abendländischen Völker  durchschnittlich nordischer, wenn nicht viel nordischer waren als die  Bevölkerung ihres Heimatgebietes —, trotz allen diesen und anderen  Verlusten hat wahrscheinlich die nordische Rasse bis in neuere Zeit  hinein immer wieder verhältnismäßig höhere Kinderzahlen erreichen  können. Der nichtnordische Bestandteil im deutschen Volke hat  wahrscheinlich seit dem frühen <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a> langsam zugenommen, durch die  Gegenauslese des 30jährigen Krieges vielleicht schneller, doch  besonders schnell anscheinend erst seit dem Ende des handwerklichen, dem  Beginn des großgewerblichen Zeitalters. Da wo das Großgewerbe am  längsten und meisten um sich gegriffen hat, wie z. B. in Sachsen, haben  wahrscheinlich nicht-nordische Erbanlagen sich am stärksten gegenüber  einem früher doch anscheinend beachtlichen nordischen Einschlag  durchsetzen können. Ich habe in <em>Adel und Rasse</em> Zeugnisse des 18.  Jahrhunderts über das ausgesprochen nordische Aussehen der damaligen  sächsischen Oberschicht anführen können. Im Volksmunde galt Sachsen als  das Land, „wo die schönen Mädchen wachsen“ — und „schön“ bedeutete  früher mehr als heute vorwiegend nordisch. Der ostbaltische und ostische  Einschlag des heutigen Sachsens wird überwiegend der Begünstigung  zuzuschreiben sein, welche diese minder schöpferischen Rassen im  Geburtenwettbewerb durch das Großgewerbe erfahren haben. Ähnliche  Verhältnisse, je nach Landschaft abgewandelt, gelten für das gesamte  deutsche Sprachgebiet.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Italiener Enea Silvio Piccolomini, später Papst Pius II., der  sich 1432-45 viel in Deutschland aufgehalten hatte, beschreibt bei all  seiner Abneigung gegen deutsches Wesen in seiner Erzählung <em>De Eurialo et  Lucretia </em>die damaligen Deutschen — doch sicherlich nur die Oberschicht  ins Auge fassend — noch als sehr nordische und ihm außergewöhnlich schön  erscheinende Menschen. Seine Schilderung ist sicherlich eine  Übertreibung, erklärbar auch daraus, daß er gerade die in Italien  seltenere, für das damalige Deutschland kennzeichnendere Rasse  schildert. Die Schädel der Gefallenen des deutschen Reichsheeres, die  vom Schlachtfelde bei Dornach (Basel) aus dem Jahre 1499 stammen, zeigen  an, daß dieses Heer, in der Hauptsache aus süddeutschen und  österreichischen Landsknechten, also zumeist aus Vertretern der unteren  Volksschichten bestehend, schon durch starke nicht-nordische Einschläge  gekennzeichnet gewesen sein muß. Die rassische Verschiedenheit der  Deutschen seiner Zeit von den Germanen der Völkerwanderungszeit ist  zuerst von Hermann Conring (1606-81), einem Professor der Heilkunde der  Universität Helmstedt (Braunschweig), erörtert worden, später, Ende des  17. Jahrhunderts, von dem schwedischen Anatomen Olaf Rudbeck.</p>
<p style="text-align: justify;">Schädelfunde zeigen die zunehmende Entnordung der Deutschen.  Schädel aus den nordwestdeutschen Reihengräbern (vgl. S. 121 f.) haben  einen durchschnittlichen Längen-breiten-Index von 75,9. Der  Durchschnittsindex der heutigen nordwestdeutschen Bevölkerung mag (vom  Kopf auf den Schädel umgerechnet) zwischen 78 und 80 sein.  Frühmittelalterliche Schädel aus Andernach am Rhein haben einen  durchschnittlichen Längenbreitenindex von 74,6, Schädel der heutigen  Andernacher Bevölkerung einen von 81,2. (Der durchschnittliche Kopfindex  der Wehrpflichtigen für das überwiegend nordische Schweden ist 78,12,  was auf den Schädel umgerechnet etwa 77 ergibt.) Dabei ist aber zu  bedenken, daß die Schädelfunde aus dem <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a>, besonders dem frühen <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo"> Mittelalter</a>, fast nur ein Zeugnis über die sorgsamer bestattete  Bevölkerungsoberschicht abgeben. Unter hundert Schädeln der Reihengräber  Bayerns aus der Völkerwanderungszeit sind 42 Langschädel und 14  Kurzschädel. So ungefähr bleibt das Verhältnis der bayerischen  Schädelformen bis ins 12. Jahrhundert. Vom 12. Jahrhundert an nimmt die  Zahl der Langschädel allmählich ab, die der Kurzschädel zu. Heute kommen  in Südbayern auf 100 Schädel ein Langschädel und 83 Kurzschädel (in  Schweden auf 100 Köpfe von Wehrpflichtigen 30,18 Langköpfe, 14,07  Kurzköpfe). Der Schweizer Anthropologe Schwerz urteilt über den  Rassenwandel in seiner Heimat: „Nur in Schweden und Nordwestdeutschland  wohnen heute noch Völker, die in physischer Hinsicht ähnliche Merkmale  darbieten, wie wir sie bei den Alemannen (der Völkerwanderungszeit und  des frühen Mittelalters) kennengelernt haben.“ v. Hoelder fand bei  Untersuchung der Schädel eines Friedhofs zu Eßlingen (Württemberg), die  den Jahren 1614—1846 entstammten und den mittleren bis oberen  Volksschichten zuzuschreiben sind, noch mehr als ein Drittel der Schädel  nordisch und vorwiegend nordisch und nur wenige ohne nordische  Beimischung. Die gleichen Volksschichten der gleichen Stadt würden heute  lange nicht mehr so nordisch erscheinen.</p>
<p style="text-align: justify;">Außer der beschleunigten Mehrung nicht-nordischer Erbanlagen,  welche sehr wahrscheinlich seit dem 19. Jahrhundert vor sich geht, hat  die Freizügigkeit seit Beginn des 19. Jahrhunderts die Mischung und  Kreuzung der Rassen erheblich gefördert. Noch zur Zeit der Virchowschen  Schulkinderuntersuchung, 1874—77, zeigte sich die geringere Vermischung  des Landes gegenüber den Städten dadurch an, daß sowohl die braunäugigen  Braunhaarigen wie die blauäugigen Blonden auf dem Lande verhältnismäßig  häufiger waren, die Mischformen (braunäugige Blonde, blauäugige  Braunhaarige usw.) hingegen in den Städten. Heute wird dieser  Unterschied zwischen Land und Stadt schon viel geringer geworden sein.  Durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch hat die deutsche Bevölkerung  sehr viele vorwiegend nordische Auswanderer verloren. 40 v. H. der 1918  gegen Deutschland kämpfenden amerikanischen Offiziere waren Nachkommen  ausgewanderter Deutscher. Abbildungen solcher Offiziere zeigen sie  zumeist als sehr vorwiegend nordische Menschen. Zu Heilbronn  (Württemberg) hat Schliz eine deutliche Abnahme der Blonden im Zeitraum  zwischen 1876 und 1898 feststellen können. Solche Anzeichen der  Entnordung, d. h. der verhältnismäßigen Abnahme des nordischen  Einschlags, sind auch in Frankreich, England und Holland beobachtet  worden; in Frankreich vor allem durch Lapouge, der seinen durch  rassenkundliche Messungen gewonnenen Feststellungen die Warnung folgen  ließ, daß diese Entnordung nach allen Ergebnissen rassenkundlicher  Geschichtsbetrachtung den Niedergang der französischen Gesittung  (Kultur) bewirken werde.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Wachstum der großen Städte hat im 19. Jahrhundert anscheinend  gerade der ostischen Rasse vermehrte Möglichkeiten des Erwerbs und der  Familiengründung geschaffen. Bei dem Mangel an Untersuchungen läßt sich  das nicht nachweisen. Aber wenn die Zeichner von Auftritten aus dem  Leben kleinerer und größerer Städte den Schlag der kleinen  Gewerbetreibenden, die zugleich Hausmeister sind, den Schlag der  kleineren Gastwirte, Bäckermeister und „Geschäftsleute“, Agenten,  Vermittler usw. gerade mit den Zügen der ostischen Rasse und gerade als  kinderreiche Familienväter darstellen, so empfindet das jedermann als  richtig beobachtet. Das Aufkommen dieser behaglich-erwerbsamen  Kleinbürger während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in  städtischer Umwelt muß Gottfried Keller empfunden haben, als er den  Wandel im Verhalten der Seldwyler in der Vorrede zum 2. Band seiner <em>Leute von Seldwyla</em> beschrieb, und zwar als der wesentlich  nordisch-dinarisch empfindende Betrachter halb scherzend, halb bitter  beschrieb. Seine Schilderung gibt so deutlich Züge der ostischen  Rassenseele wieder, daß man sie als Anzeichen eines Rassenwandels  innerhalb der Bevölkerung deutscher Sprache auffassen darf.</p>
<p style="text-align: justify;">Im gleichen Zeitabschnitte, wo ostische und ostbaltische Menschen  kinderreicher werden konnten, haben die S.125 f. erwähnten Umstände zur  zunehmenden Kinderarmut der aufsteigenden und führenden überwiegend  nordischen Familien beigetragen, und — wie S. 59 f. angeführt worden ist  — eben innerhalb der nordischen Rasse treten immer wieder  verhältnismäßig viele aufsteigende und führende Familien hervor. Man  denke an solche an nordischem Blute durchschnittlich so reichen Stände  wie die der höheren Beamten und Offiziere und deren kennzeichnende  Kinderarmut. Vor dem Weltkrieg umfaßte der Offiziersstand in Deutschland  etwa 40.000 Männer, und eben diese Auslese war durch eine  unverantwortlich niedrige Besoldung zu Spätehe, Ehelosigkeit,  erbgesundheitlich und rassisch bedenklichen Geldheiraten und  Geburtenverhütung gezwungen. Ähnliche Verhältnisse haben aber auch die  Fortpflanzung solcher allem Anschein nach an nordischem Blute  überdurchschnittlich reicher und auf Grund ihrer Tüchtigkeit  ausgesiebter Gruppen wie die der Volksschullehrer, Unteroffiziere,  Polizeimannschaften gehemmt. Wie hoch mag wohl die Kinderzahl innerhalb  der an nordischem Blute so reichen Auslese der heutigen Reichswehr sein?</p>
<p style="text-align: justify;">Durchschnittlich vier Kinder auf eine Ehe oder die Aufzucht von  durchschnittlich drei Kindern über das fünfte Lebensjahr hinaus sind als  Mindestkinderzahlen angegeben worden für eine Menschengruppe, welche  sich erhalten oder gering vermehren will. Die Geburtenziffer nimmt aber  in Europa von Osten nach Westen und von Süden nach Norden zu ab, demnach  umgekehrt wie der nordische Einschlag der europäischen Bevölkerungen.  Sie nimmt in den Ständen von unten nach oben zu ab, ebenfalls umgekehrt  wie der nordische Einschlag der Bevölkerung. So zeigt sich heute eine  Gegenbewegung gegen die südlich und östlich gerichteten nordischen  Völkerwellen der Vorgeschichte und Geschichte, dazu eine Vermehrung der  abendländischen Völker von unten, von ihren an nordischem Blute  durchschnittlich ärmsten Ständen her. Erst in allerjüngster Zeit scheint  sich dieser Entnordungsvorgang insofern ein wenig zu verlangsamen, als  die Geburtenverhütung in zunehmendem Maße heute auch auf die unteren, an  nordischem Blute durchschnittlich ärmsten Volksschichten Mittel- und  Westeuropas übergreift.</p>
<p style="text-align: justify;">Heute wird in allen abendländischen Staaten — nach einem Ausdruck  des amerikanischen Rassenforschers Grant — das nordische Blut wirksam  weggesteuert, und zwar dadurch, daß die an nordischem Blute  durchschnittlich reicheren oberen Volksschichten durch die  Steuergesetzgebung am heftigsten getroffen und so zur Geburtenverhütung  gezwungen werden. Gerade die infolge tüchtigerer Erbanlagen  gesellschaftlich aufsteigenden Familien, gekennzeichnet durch  Vordenklichkeit, Drang nach geistigen Gütern, Freude am Wettbewerb der  Leistungen, gerade solche Familien schränken die Kinderzahl am meisten  ein, während die „Hoffnung auf Staatshilfe“, welche Lapouge als einen  seelischen Zug der ostischen Rasse angeführt hat, ostischen und auch  ostbaltischen Menschen höhere Kinderzahlen ermöglicht. Umfragen haben  ergeben, daß auch im deutschen Handarbeiterstande die aufstiegfähigsten  Familien schnell aussterben; zugleich aber fanden sich nach Ausführungen  K. V. Müllers, eines Sozialdemokraten, unter den Vorkämpfern der  sozialistischen Bewegung, also in deren Führerschicht, erstaunlich viele  vorwiegend nordische Menschen, wahrscheinlich im Durchschnitt die  kinderärmsten ihrer Kreise. Gerade die Führereigenschaften des  nordischen Menschen lassen diesen unter den Verhältnissen des  gegenwärtigen Zeitabschnitts im Geburtenwettbewerb der Rassen  unterliegen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Weltkrieg bedeutet, rassenkundlich gesehen, für alle an ihm  beteiligten Völker eine Beschleunigung der Entnordung. Zwar wurden im  Weltkriege anders als in den Kriegen des Mittelalters, welche von der  verhältnismäßig nordischsten Volksschicht geführt wurden, anders auch  als in späteren Kriegen, deren Heere aus Auslesen höher gewachsener und  kampflustigerer Menschen bestanden, die einzelnen Rassen im  Rassengemisch der kriegführenden Völker in nahezu gleichem Ausmaße  herangezogen, aber die verhältnismäßig viel höheren Verluste an  Offizieren deuten schon die auch mit dem Weltkriege verbundene stärkere  Ausmerze der nordischen Rasse an. Der unmittelbare Anblick auch der  französischen Offiziere, der Offiziere also eines an nordischem Blute  ärmeren Volkes, ließ den überdurchschnittlich starken Einschlag  nordischen Blutes gerade im Offiziersstände der abendländischen Völker  erkennen. Wie die englischen, so können auch die deutschen  Bilderzeitschriften, welche während des Weltkriegs — sehr oft mit dem  Zusatz, der Dargestellte sei inzwischen gefallen — die Bilder besonders  ausgezeichneter Offiziere und Mannschaften brachten, als Hinweise auf  die besonderen Verluste gerade der nordischen Rasse dienen. Man erinnere  sich nur der Auslese besonders tatkräftiger und dabei überwiegend  nordischer Menschen unter gewissen, besonders ausgesetzten  Sonderabteilungen oder unter solchen Gruppen wie den Kampffliegern. Das  Vordrängen vorwiegend nordischer Menschen zum Kriegsdienst war jedoch im  Weltkriege deutlich nur am Anblick der nordamerikanischen Freiwilligen  zu erkennen und ist auch von amerikanischen Rassenforschern und dem  französischen Rassenforscher Lapouge geschildert worden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Nachkriegszeit brachte den abendländischen Völkern eine  besondere Steigerung des oben (S. 133) erwähnten Wegsteuerns nordischer  Erbanlagen, dem deutschen Volke starke Auswanderungsverluste, an denen  wahrscheinlich die nordische Rasse auch wieder stärker beteiligt war und  ist, trotzdem heute eine Auswanderung nicht mehr solche Erbanlagen  seelischer Art erfordert wie noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist klar, daß sich der Verlust an Erbanlagen nordischer Rasse,  wie er in Deutschland seit dem <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a> erst langsam, schließlich  beschleunigt vor sich ging, auch im seelischen Verhalten des deutschen  Volkes äußern mußte. Für Frankreich hat Lapouge auf den  Gesittungswandel, oder — anders betrachtet — Gesittungszerfall  hingewiesen, welcher sich in Wechselwirkung mit der (von mir in der <em>Rassenkunde Europas</em> geschilderten) Entnordung des französischen Volkes  vollzog und weiter vollzieht. Man hört in neuerer und neuester Zeit  auch in England Klagen über ein rasches Dahinschwinden „echt englischen“  Wesens, und ein rassenkundlich belehrter feiner Beobachter wie Inge,  der Dekan der Londoner St.-Pauls-Kathedrale, hat diesen Verlust an „echt  englischem“ Wesen, wie sein in England aufsehenerregendes Buch <em>England</em> (Volksausgabe 1927) zeigt, der zunehmenden Entnordung  zugeschrieben.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn in Deutschland ein Lagarde schreibt: „Wir haben nie eine  deutsche Geschichte gehabt, wenn nicht etwa der regelrecht  fortschreitende Verlust deutschen Wesens deutsche Geschichte sein soll“ —  so ist man bei rassenkundlicher Betrachtung versucht, diesen Verlust  „deutschen Wesens“ als eine Folgeerscheinung des Verlustes an nordischen  Erbstämmen aufzufassen. In der Tat ließe sich doch nachweisen, wie das  deutsche Volkstum — seelisch bestimmt durch Führung der nordischen Rasse  bei Mitwirkung der nicht-nordischen europäischen Rassen — seit dem  <a title="Mittelalter" href="http://www.centrostudilaruna.it/sezioni/storia/medioevo">Mittelalter</a> immer mehr nordischen Geist verloren, immer mehr  nicht-nordischen Geist aufgenommen hat und wie dieser Vorgang durch die  Ausleseverhältnisse des 19. Jahrhunderts so beschleunigt worden ist, daß  heute der nordische Geist im deutschen Volkstum schon gefährdet ist,  nicht-nordischer Geist schon bestimmen möchte.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist ebenso bezeichnend für die Unaufmerksamkeit der Deutschen  wie für die Aufmerksamkeit der Juden auf rassische Fragen, daß nicht ein  Deutscher, sondern eben ein Jude wie Walter Rathenau in Deutschland  zuerst Einsichten in die rassische Lage des deutschen Volkes  ausgesprochen hat, so in seinen Büchern <em>Reflexionen</em> (1908) und <em>Zur  Mechanik des Geistes</em> (1921). Rathenau wollte die Zustände der Gegenwart  aus zwei Vorgängen erklären, der <em>Mechanisierung</em> und der <em>Entgermanisierung</em>, wie er das nannte, was heute genauer als Entnordung  bezeichnet wird. Diese Entnordung erschien ihm als die Ursache „des  Mangels an Richtkraft, Tiefe und Idealismus“. Er sah für das Abendland  ein Zeitalter der Allvermischung gekommen und fragte: „Ist es wirklich  das Ziel tausendjährigen Aufwands, aus aller Farbigkeit und Eigenart  menschlicher Stämme eine graue, morastische Mischung zu brauen?“ — Doch  sieht er auch die Zeit gekommen für eine rassische Erneuerung, die von  solchen Menschen ausgehen würde, „deren Augen sehend wurden — nicht  allein für den Zusammenhang des geistigen Komplexes an sich, sondern  leider zugleich für den Zusammenhang des Geistigen mit körperlicher  Außenform“. Nur seien die wenigen, die sehend geworden sind, noch zu  zaghaft, „ihre bedenklichen Erfahrungen auszutauschen“. Schon in  seinen <em>Reflexionen</em> (1908), als eben erst Rassenkunde und  Vorgeschichtsforschung die besondere Bedeutung der nordischen Rasse zu  erweisen begonnen hatten, zog Rathenau die Folgerung, daß zu einer  Erneuerung des Abendlandes eine „Nordifikation“ (Vernordung, Aufnordung)  nötig sei. Es werde ein Zeitalter kommen, welches eine „neue Romantik“  bedeuten und die Aufstellung des Bildes der nordischen Rasse als  menschlichen Vorbildes bringen werde.</p>
<p style="text-align: justify;">Daß im ganzen Abendlande seit etwa dem ersten Drittel des 19.  Jahrhunderts, in diesem Lande früher, in jenem später, ein gewisser  Zerfall eingetreten ist, eine merkliche Abnahme der schöpferischen  Kräfte, wird ja heute — nachdem auch ein Werk wie Spenglers <em>Untergang  des Abendlandes</em> diese Einsicht vermittelt hat — fast nur noch von denen  bestritten, welche Gesittung (Kultur) mit der allmählich angehäuften  Menge technischer Verfahren (Zivilisation) und deren Ausbau verwechseln,  auch von denen, welche an diesem Zerfall sozusagen geschäftlich  beteiligt sind. Ein Spengler hat aber die Ursache zum <em>Untergang des  Abendlandes</em> nicht erkennen können, während der erste, der auf diesen  drohenden „Untergang“ hingewiesen hat, Graf Arthur Gobineau, dessen  Ursache, das Schwinden des nordischen Einschlags der abendländischen  Völker, schon in seinem <em>Essai sur I&#8217;Inégalité des Races humaines</em> (1853-55) klar ausgesprochen hatte. Durch eine Einsicht, wie sie der  (zur sozialdemokratischen Partei gehörige, also nicht etwa zu einer  Begünstigung des Ansehens der oberen Stände neigende) Sozialhygieniker  Grotjahn in seinem Werke <em>Geburtenrückgang und Geburtenregelung</em> (1921)  ausgesprochen hat: „Ohnehin muß ja der jetzt bestehende Zustand, daß die  Ergänzung der oberen Kreise weniger durch eigene Vermehrung als durch  Aufsteigen einzelner aus den unteren Schichten vor sich geht, im Laufe  der Zeit mit Sicherheit zu vollständiger Auspowerung (Verarmung) der  Nation an Tüchtigen, Begabten und Willensstarken führen“ — durch eine  solche Einsicht, welche durch die rassenkundliche Erkenntnis des  verhältnismäßig stärkeren nordischen Einschlags der oberen  Volksschichten zu ergänzen ist, ist die Ursache des heute offenbar  gewordenen abendländischen Zerfalls, die Ursache des offenbar gewordenen  Niedergangs auch der deutschen Gesittung (Kultur), genügend bezeichnet.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>* * *</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sorge: <em>Kleine Rassenkunde des deutschen Volkes</em><em> (</em>dritte Auflage, März 1933).</p>
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		<title>Amerikanische Zivilisation</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Feb 2009 21:35:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Evola</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Amerika ist eine Gesellschaft von Pariahs. Es gibt eine Rolle für Pariahs: unterworfen zu werden von denen, die eine genau bestimmte Form und innere Gesetze haben]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/amerikanische-zivilisation.html' addthis:title='Amerikanische Zivilisation '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/evola48x48.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Julius Evola" /><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/teiwaz.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Teiwaz" /><br/><p style="text-align: justify;">Der jüngst verstorbene John Dewey wurde von der amerikanischen Presse als repräsentativste Gestalt der amerikanischen Zivilisation gefeiert. Das ist allerdings richtig. Seine Theorien sind vollkommen repräsentativ für die Vision vom Menschen und vom Leben, die dem Amerikanismus und seiner &#8220;Demokratie&#8221; zugrunde liegt.</p>
<p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935581106/centrostudi0e-21" target="_blank"><img class="alignleft" style="border: 0pt none; margin: 10px;" src="../immagini/revoltegegendiemodernewelt.bmp" border="0" alt="Julius Evola,  Revolte gegen die moderne Welt" width="97" height="140" /></a>Die Essenz dieser Theorien ist: jeder kann werden was er will, in den Grenzen der technologischen Mittel, die ihm zur Verfügung stehen. Genauso ist eine Person nicht von ihrer wirklichen Natur her bestimmt und gibt es keine wirklichen Unterschiede zwischen Menschen, nur unterschiedliche Qualifikationen. Nach dieser Theorie kann jeder der werden, der er sein will, wenn er nur weiß, wie er sich ausbilden soll.</p>
<p style="text-align: justify;">Das ist offensichtlich der Fall beim <em>self-made man</em>; in einer Gesellschaft, die jeden Sinn für Tradition verloren hat, wird die Idee des persönlichen Aufstiegs sich auf jeden Aspekt des menschlichen Lebens erstrecken und damit die gleichmacherische Lehre der reinen Demokratie verstärken. Wenn die Grundlage dieser Ideen akzeptiert wird, dann muß jede natürliche Verschiedenheit abgeschafft werden. Jede Person kann vorgeben, das Potential jedes anderen zu besitzen und die Begriffe &#8220;überlegen&#8221; und &#8220;unterlegen&#8221; verlieren ihren Sinn, jede Haltung von Distanz und Respekt ihre Bedeutung; alle Lebensstile stehen jedem offen. Allen organischen Konzeptionen vom Leben stellen Amerikaner eine mechanistische Konzeption entgegen. In einer Gesellschaft, die &#8220;ohne Vorgabe gestartet&#8221; ist, hat alles die Charakteristik, fabriziert zu sein. In der amerikanischen Gesellschaft ist das öffentliche Auftreten kein Gesicht, sondern eine Maske. Zur gleichen Zeit erweisen sich die Vertreter des <em>American way of life</em> als feindselig gegenüber der Persönlichkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Die &#8220;Unvoreingenommenheit&#8221; (<em>Open-Mindness</em>), die manchmal den Amerikanern zu Gute gehalten wird, ist die andere Seite ihrer inneren Formlosigkeit. Dasselbe gilt für ihren &#8220;Individualismus&#8221;. Individualismus und Persönlichkeit sind nicht das gleiche: der eine gehört zur formlosen Welt der Quantität, die andere zur Welt der Qualität und Hierarchie. Die Amerikaner sind die lebende Widerlegung von Descartes´ Axiom &#8220;Ich denke, also bin ich&#8221;: Amerikaner denken nicht, und dennoch sind sie. Der amerikanische &#8220;Geist&#8221;, kindisch und primitiv, entbehrt charakteristischer Form und ist daher offen für jede Art von Standardisierung.</p>
<p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html?link_code=ur2&amp;tag=centrostudi0e-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;location=%2Fgp%2Fproduct%2F3937129316%2Fref%3Dolp_product_details%3Fie%3DUTF8" target="_blank"><img class="alignright" style="border: 0pt none; margin: 10px;" src="../immagini/eintagimlebendesjuliusevola.bmp" border="0" alt="Oliver Ritter, Ein Tag im Leben des Julius Evola" width="93" height="139" /></a>In einer überlegenen Gesellschaft, wie zum Beispiel der der Indo-Arier, ist jene Existenz, die ohne eine charakteristische Form oder Kaste (in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes) ist, nicht einmal ein Diener oder Shudra, sondern erscheint als Pariah. In diesem Sinn ist Amerika eine Gesellschaft von Pariahs. Es gibt eine Rolle für Pariahs: unterworfen zu werden von denen, die eine genau bestimmte Form und innere Gesetze haben. Statt dessen versuchen die modernen Pariahs selber zu herrschen und ihre Herrschaft über die ganze Welt auszuüben.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt ein populäres Vorurteil über die Vereinigten Staaten, nämlich daß sie eine &#8220;junge Nation&#8221; seien und eine &#8220;große Zukunft vor sich haben&#8221;. Demnach werden die amerikanischen Defekte dann als &#8220;Fehler von Kindern&#8221; oder &#8220;Wachstumsschwierigkeiten&#8221; beschrieben. Es ist nicht schwer zu sehen, daß der Mythos des &#8220;Fortschritts&#8221; eine große Rolle in dieser Beurteilung spielt. Gemäß der Vorstellung, daß alles neue auch gut ist, hat Amerika eine privilegierte Rolle unter den zivilisierten Staaten gespielt. Im Ersten Weltkrieg intervenierten die Vereinigten Staaten in der Rolle der &#8220;zivilisierten Welt&#8221; schlechthin. Die am &#8220;meisten entwickelte&#8221; Nation hatte nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, in die Schicksale anderer Völker einzugreifen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Aufbau der Geschichte ist allerdings zyklisch und nicht linear. Weit entfernt davon, daß die jüngsten Zivilisation notwendigerweise &#8220;überlegen&#8221; sein müßten, können sie in der Tat senil und dekadent sein. Es gibt eine notwendige Übereinstimmung zwischen den fortgeschrittensten Stufen eines historischen Zyklus und den primitivsten. Amerika ist das Endstadium des modernen Europa. <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">René Guénon</a></span> nannte die Vereinigten Staaten &#8220;den Fernen Westen&#8221; in dem neuen Sinne, daß die Vereinigten Staaten die reductio ad absurdum der negativen und senilsten Bereiche der westlichen Zivilisation darstellen. Was in Europa in verdünnter Form vorkommt, wird in den Vereinigten Staaten vergrößert und konzentriert, wobei sich dies als Symptom der Auflösung und der kulturellen und menschlichen Rückbildung erweist. Die amerikanische Mentalität kann nur als ein Beispiel von Rückbildung interpretiert werden, die sich in der geistigen Verkümmerung gegenüber allen höheren Interessen und der Unverständnis für höhere Sensibilität zeigt. Der amerikanische Geist hat beschränkte Horizonte, eingeschränkt auf alles, was unmittelbar und einfach ist, mit der unausweichlichen Konsequenz, daß alles banalisiert, vereinfacht und herabgesetzt wird, bis es jeden geistigen und seelischen Lebens beraubt ist. Leben selbst ist in amerikanischen Begriffen vollkommen mechanistisch. Die Bedeutung des Wortes &#8220;Ich&#8221; beschränkt sich in Amerika völlig auf die physische Ebene der Existenz. Der typische Amerikaner kennt weder geistige Dilemmas oder Komplikationen: er ist ein &#8220;natürlicher&#8221; Konformist.</p>
<p style="text-align: justify;">Der primitive amerikanische Geist kann nur oberflächlich mit einem jungen Geist verglichen werden. Der amerikanische Geist ist der Grundzug einer regressiven Gesellschaft, wie ich sie zuvor beschrieben habe.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/amerikanische-zivilisation.html' addthis:title='Amerikanische Zivilisation ' ><a href="http://www.centrostudilaruna.it//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47597ad291fb" class="addthis_button_compact">Share</a><span class="addthis_separator">|</span><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a><a class="addthis_button_preferred_3"></a><a class="addthis_button_preferred_4"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Wenn die Türme einstürzen</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2000 21:10:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudio Mutti</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Antiamerikanische Mobilmachung - WIR KÖNNEN NICHT UNS NICHT EURASIER NENNEN]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/tuerme.html' addthis:title='Wenn die Türme einstürzen '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/storiacontemporanea48x48.jpg" width="48" height="48" alt="" title="Storia contemporanea" /><br/><p style="text-align: justify;"><strong><em>Antiamerikanische Mobilmachung</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignright" style="border: 0pt none; margin: 10px;" src="http://www.centrostudilaruna.it/immagini/taroccotorre.jpg" border="0" alt="Wenn die Türme einstürzen" width="270" height="479" align="right" /> <em>&#8220;Der Alte vom Berg war erwacht: er betrachtet die Ebene und das Fieber der Ebene, streift mit den Augen Türme und Grate, die auf der trockenen Erde ein seltsames Zeichen entwerfen, und sprach so in der Nacht:<br />
Wie falsche Ruhe in einer falschen Nacht, so nisten in dieser langen säkularen Agonie die Erbauer von Türmen im Wind ihrer Torheit: aber mit jedem Windzug stürzen aufs Neue die Türme zusammen. Die Türme stürzen ein, oh Erbauer der Türme.&#8221;</em></p>
<p style="text-align: justify;">Zero (Pseudonym von Guido De Giorgio), <em>Crollano le torri</em>, &#8220;La Torre&#8221;, n. 1, 1 Februar 1930.</p>
<p style="text-align: justify;"><span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">René Guénon</a></span> erörterte in einem Brief an Vasile Lovinescu (<em>alias </em>Geticus) vom 19. Mai 1936 das Thema der &#8220;sieben Türme des Teufels&#8221;, von denen einer (derjenige der Yeziden in Mesopotamien) von W. B. Seabrook in einem ein paar Jahre zuvor erschienen und von <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">Guénon</a></span> bereits besprochenen Reisebuch beschrieben wurde. &#8220;Die Türme des Teufels&#8221; erläuterte dieser, sind &#8220;Einstrahlzentren des satanischen Einflusses in der Welt&#8221; und stellen eine Parodie der sieben &#8220;Pole&#8221;, der Spitzen der spirituellen Hierarchie die dem Höchsten Pol untergeordnet sind, dar; mit anderen Worten: &#8220;die Türme des Teufels&#8221; sind die gegeninitatischen Zentren, die den initiatischen Zentren der &#8220;Heiligen Gottes&#8221; entgegenzustehen scheinen.</p>
<p style="text-align: justify;">An Vasile Lovinescu schreibend wies <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">Guénon</a></span> neben diesem von den Yeziden bewohnte mesopotamische Gebiet noch auf verschiedene Zonen hin, in denen andere Türme ähnlicher Art lokalisiert werden könnten: &#8220;Was die anderen betrifft, spricht man von gewissen Regionen, die an der Grenze von Sibirien und Turkestan liegen; dann auch Syrien mit den Ismaeliten des Aga Khan und einige weitere zweifelhaften Sekten; dann der Sudan, wo in einer gebirgigen Region eine &#8216;licantrope&#8217; [<em>wolfsmenschliche</em>] Bevölkerung von etwa 20000 Individuen existiert (ich weiß es von Augenzeugen); dann näher zum Zentrum Afrikas, nahe des Niger, liegt die Region aus der bereits alle Hexer oder Magier Ägyptens (darunter auch jene, die mit Moses gekämpft haben) gekommen sind; es scheint daß man auf diese Weise eine durchgehende Linie vom Norden nach Süden, dann von Osten nach Westen ziehen kann, deren konkaver Teil die westliche Welt einschließt.&#8221; Nachdem er auf die wahrscheinliche Lokalisierung von fünf der sieben &#8220;Türme des Teufels&#8221; hingewiesen hat, setzte <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">René Guénon</a></span> fort, indem er auf die in Europa vorhandenen gegeninitiatischen Zentren hinwies: &#8220;Natürlich soll das nicht heißen, daß nicht andere Zentren von größerer oder kleinerer Bedeutung außerhalb dieser Linie liegen würden, man spricht von Lyon, und sicherlich gibt es etwas in Belgien.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Danach kam er auf die Vereinigten Staaten zu sprechen: &#8220;Was Amerika betrifft, so scheint der verdächtigste Punkt Kalifornien zu sein, wo sich viele sonderbare Dinge vereint finden; es stimmt daß sich hier vor allem pseudoinitiatische Organisationen finden, aber es ist sicherlich etwas anderes, das sie leitet, wenn es ihnen auch unbekannt ist; die Benutzung der Pseudoinitiation von Seiten der Agenten der Gegeninitiation in einigen Fällen steht außer Zweifel, und ich habe mir vorgenommen demnächst in einem Artikel darüber zu sprechen, übrigens anhand der Geschichte von Organisationen vorgeblicher Rosenkreuzer&#8230;&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist nicht leicht zu sagen (wenn es auch legitim ist, es zu vermuten) ob sich die zerstörten Twin Towers in die Geographie der amerikanischen Gegeninitiation einreihten, der es an &#8220;Türmen des Teufels&#8221; nicht ermangelt: denken wir, zum Beispiel, an den berühmten amerikanischen Film &#8220;Begegnungen der dritten Art&#8221;, der die Existenz eines Plateaus in Wyoming bekannt gemacht hat, das &#8220;Devil´s Tower&#8221; genannt wird.</p>
<p style="text-align: justify;">In jedem Fall wäre es in einer metahistorischen Optik sehr leicht, eine Beziehung zwischen der Zerstörung der beiden Türmen des amerikanischen Babylons und den Ereignissen herzustellen, die vorhergesagt wurden, von Jeremias, L, 2 (&#8220;Erobert ist Babylon, zuschanden geworden seine Götzen&#8221;), und vor allem vom heiligen Johannes in der Offenbarung, XVIII, 9-20 (&#8220;Und weinen und klagen werden über sie die Könige der Erde, die mit ihr gehuret und in Wollust gelebt haben, wenn sie sehen den Rauch ihres Brandes. Von ferne werden sie stehen vor Furcht ihrer Qual, und sagen: Weh! weh! die große Stadt Babylon, die mächtige Stadt! In einer Stunde ist dein Gericht gekommen. Die Kaufleute der Erde werden weinen und wehklagen über sie; (&#8230;) Frohlocket über sie, Himmel, und ihr heiligen Apostel und Propheten; denn Gott hat, was über euch ergangen, an ihr gerächet.&#8221;).</p>
<p style="text-align: justify;">Man kann einwenden daß George Washington in den Vereinigten Staaten nicht das Neue Babylon, sondern das Neue Jerusalem gesehen hat, &#8221; von der Vorsehung auf einem Territorium errichtet, wo der Mensch seine volle Entwicklung erreichen soll und wo Wissenschaft, Freiheit, Glück und Ruhm in Frieden sich verbreiten müssen.&#8221; Analog waren für John Adams die Vereinigten Staaten &#8220;eine reine und wohltätige Republik, deren Aufgabe in der Regierung der Welt und der Perfektion der Menschen besteht&#8221;. Bush junior ist geradezu so weit gegangen, für die Vereinigten Staaten, die Protagonisten des &#8220;Kampfes des Guten gegen das Böse&#8221;, den Anspruch auf die Führungsrolle in einer Mission der &#8220;unendlichen Gerechtigkeit&#8221; zu erheben. Mit dieser Mythologie stehen in enger Beziehung die freimaurerische Symbolik der Dollarnote; das zionistische Projekt, den jüdischen Staat in Amerika zu gründen; die Forschung des Simon Wiesenthal über die jüdische Vorgeschichte Amerikas; die in dem Buch von Edmund Weizmann mit dem Titel &#8220;Amerika, Neues Jerusalem&#8221; aufgestellten Thesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser eschatologische Pathos, der zu seiner Zeit die Idee der Neuen Weltordnung und des &#8220;Endes der Geschichte&#8221; inspiriert hat, zeigt die allzu deutlichen Kennzeichen einer wirklichen und tatsächlichen Parodie des Heiligen, Kennzeichen, die <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">René Guénon</a></span> zum Beispiel an der Gestalt eines Vaters des amerikanischen Vaterlandes belegt hat, den er ausdrücklich als Agenten der Gegeninitiation identifizierte: Benjamin Franklin. Kennzeichen der gegeninitiatischen Parodie tauchen jedoch in verschiedenen Episoden der amerikanischen Geschichte auf (denken wir zum Beispiel an den &#8220;Kreuzzug für den Gral&#8221;, den Mac Arthur im Zweiten Weltkrieg ausgerufen hat). All dies führt uns auf eine berühmte Formel der christlichen Theologie zurück: Satan ahmt Gott nach, und führt uns zu dem Gedanken, daß so wie Satan der Affe Gottes ist, das Neue Babylon das parodistische Gegenbild zum Neuen Jerusalem darstellt.</p>
<p style="text-align: justify;">Für Alexander Dugin, der in <em>Continente Russia </em>(Edizioni all&#8217;insegna del Veltro, Parma 1991) erhellende Seiten über die amerikanische Eschatologie geschrieben hat, &#8220;bleibt dieses messianische Pathos unverständlich und kann die kolossale Dimension der falschen Spiritualität, die hinter ihm steht nicht verstanden und bewertet werden,&#8221; wenn man nicht die Rolle des &#8220;Jenseits von Atlantis&#8221; in seinem überzeitlichen und metahistorischen Sinn berücksichtigt. Tatsächlich, wenn man aufmerksam die Stellen bei Platon liest, die Atlantis betreffen, so wird man feststellen, daß Amerika jenseits von Atlantis liegt, im Westen jenes Kontinents, auf dem sich ursprünglich, <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/rene-guenon/">Guénon</a></span> zufolge, die Gegeninitation manifestierte. Der selben heiligen Geographie zufolge, die in der Nähe Kabuls den Eingang zum Reich von Agarttha lokalisiert, ist daher Amerika das Land der Toten, das Reich der Finsternis, eine Art der Geisterwelt, die an den Hades oder an Sheol erinnert, so kann selbst die Aggression der Vereinigten Staaten gegen Afghanistan von einer metahistorischen Perspektive aus betrachtet werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Entdeckung Amerikas, die Tat des Christopher Columbus (von dem Simon Wiesenthal annimmt, daß er Jude war, ad majorem Judaeorum gloriam), hat in sich selbst eine etwas unheilvolle Bedeutung, soweit es die Erscheinung des versunkenen Atlantis am Horizont der Geschichte bedeutet, und nicht einmal des gleichen Atlantis, sondern seines &#8216;Schattens&#8217;, seiner negativen Fortsetzung im symbolischen Westen, der Totenwelt&#8217;.&#8221; Also schreibt Dugin, woraus er folgende Konklusion zieht: &#8220;Und in diesem Sinn ist der chronologische Zusammenfall dieser &#8216;neuen Entdeckung&#8217; mit dem Beginn des plötzlichen Niedergangs der europäischen (und im allgemeinen eurasischen) Zivilisation, die von diesem Zeitpunkt an begann, ihre spirituellen, religiösen, qualitativen und sakralen Prinzipien zu verlieren, aufschlußreich genug.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Der Verfasser dieses Aufsatzes hatte bereits genügend Gelegenheit zu beobachten, daß, welchen geographischen Atlas auch immer man betrachtet, der Westen der irdischen Planisphäre mit dem amerikanischen Kontinent und dem ihn umgebenden Wasser zusammenfällt, denn es ergäbe einen Fehler, Europa im Westen anzusiedeln oder Europa zu einem Teil des Westens zu machen. Europa ist nicht der Westen, denn es befindet sich in der östlichen Hemisphäre und ist integrierter Teil desjenigen Kontinentalblocks, der Eurasien heißt, daher, wenn Europa eine Verbindung der Kontinuität und des natürlichen Kontakts mit anderen Weltteilen hat, so ist das nicht mit Amerika, sondern mit Asien und Afrika.</p>
<p style="text-align: justify;"><a title="Franco Cardini" href="http://www.centrostudilaruna.it/autore/franco-cardini/">Franco Cardini</a>, der uns aufmerksam macht, daß &#8220;das Konzept des Okzidents relativ neu ist und als solches von dem der Modernität ununterscheidbar ist&#8221;, stellt eine Frage folgender Gestalt: &#8220;Ist der Äquator tatsächlich auch in Hinsicht der Kultur und der Ökonomie &#8211; und der Macht &#8211; eine Trennlinie, die deutlicher ist als der atlantische Meridian, der den europäischen Kontinent von dem amerikanischen trennt?&#8221; (F. Cardini, <em>Noi e l&#8217;Islam. Un rapporto possibile?</em>).</p>
<p style="text-align: justify;">Aber der Atlantik ist in der lügenhaften und parodistischen Geographie, die uns in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts aufgezwungen wurde, zum Mare Nostrum des Westens geworden. Nach 1945 wurde halb Europa zum Westen. Nach 1989 wurde es auch die andere Hälfte. Und in der Ideologie des Westens wurde nun die Bekreuzigung &#8220;wir können nicht uns nicht Christen nennen&#8221; zu &#8220;wir können nicht uns nicht Amerikaner nennen&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Dem westlichen Dogma setzen wir unsere revolutionäre Wahrheit entgegen:</p>
<p style="text-align: justify;">WIR KÖNNEN NICHT UNS NICHT EURASIER NENNEN.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/tuerme.html' addthis:title='Wenn die Türme einstürzen ' ><a href="http://www.centrostudilaruna.it//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47597ad291fb" class="addthis_button_compact">Share</a><span class="addthis_separator">|</span><a class="addthis_button_preferred_1"></a><a class="addthis_button_preferred_2"></a><a class="addthis_button_preferred_3"></a><a class="addthis_button_preferred_4"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Bemerkungen über Dostojewski</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2000 19:15:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arthur Moeller van den Bruck</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Moeller Van Den Brucks Bemerkungen über Dostojewski]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/moellerdostojewski.html' addthis:title='Bemerkungen über Dostojewski '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/letteratura48x48.png" width="48" height="48" alt="" title="Letteratura" /><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/rivoluzione-conservatrice.PNG" width="48" height="48" alt="" title="Rivoluzione conservatrice" /><br/><p style="text-align: justify;">Die russische Dichtung ist die Dichtung eines jungen Volkes. Nicht das Alter, sondern die Glut, die Unausgebranntheit der Seele entscheidet über die Jugend der Völker. Ursprünglich sind alle Völker gleich alt und gleich jung. Ein noch heute junges Volk aber, wie das russische, ist nach wie vor der Erde und dem Chaos nahe. Für seine Seele ist noch alles Rätsel und Geheimnis in der Welt und der Mensch selbst eine dunkle Sehnsucht nach Schauen und Erkennen. Die Mystik des russischen Volkes: die ist seine Jugend, die ist seine Primitivität, aber auch seine Kraft, und die Extase, mit der und in der es sich einst hinausringen wird über sich selbst &#8211; in dieser Mystik allein liegt seine Zukunft und Bestimmung. Die innere Kultur Rußlands wird immer nur eine religiöse, und, wenn man das Wort nicht scholastisch, sondern menschlich versteht, sogar nur eine theokratische sein können. Der Germane wird vorher die vielleicht größte äußere Kultur schaffen, die je die Erde gesehen: geistig ist er der geborene Ideenträger und oft noch kann er als Leibniz oder Kant wiederkehren. Aber geborene Glaubenskünder ist heute allein der Russe, und nur eine slavische Mutter könnte, wenn es bereits Abend geworden in der westlichen Menschheit und der Germane sich ausruht, aus der östlichen Welt noch einmal Buddha oder Jesus gebären. Im Schoße des Slaventums allein ruht als Möglichkeit die <a href="http://www.centrostudilaruna.it/religione.html">Religion</a>, die wir noch haben könnten: jene letzte, äußerste  <a href="http://www.centrostudilaruna.it/religione.html">Religion</a>, die in nichts mehr <a href="http://www.centrostudilaruna.it/simboli.html">Symbol</a>, die ganz nur Gefühl sein  würde. Werden wir sie in Wirklichkeit jemals bekommen? Wir  Germanen können es nicht wissen, wir können nur schaffen.  Einzig der Slave selbst kann heute schon diese <a href="http://www.centrostudilaruna.it/religione.html">Religion</a> ahnen  und glauben. Jedenfalls liegt alles, was im Slaventum geistig  geschaffen worden ist, auf dem Wege von seiner latenten  Volksmystik zu einer bereits geoffenbarten Weltreligion: vor  allem das Beste, was das Slaventum bis heute hervorgebracht  hat &#8211; die russische Dichtung.</p>
<p style="text-align: justify;"><a rel="nofollow" href="http://www.internetbookshop.it/ser/serdsp.asp?shop=2317&amp;isbn=8848802672"><img src="http://www.centrostudilaruna.it/immagini/filosofiakonservativerevolution.bmp" border="0" alt="Giuseppe A. Balistreri, Filosofia della Konservative Revolution: Arthur Moeller van den Bruck" align="right" /></a> In der Mitte der russischen Dichtung steht <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span>. Wenn  die russische Dichtung das größte Russische ist, so ist  <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> der größte Russe. Er ist das zentrale Genie  Rußlands: Genie im allerhöchsten schöpferischen Sinne eines  Mannes, der nie vor ihm Dagewesenes aus dem Boden schlägt.  In <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> ist der russische Volkscharakter zum ersten Male  zur verkörperten Weltanschauung, zu Wort und Sprache und als  ganzes Lebenswerk zu einem einzigen großen Epos geworden.  Aehnliches ließe sich freilich auch von Tolstoi sagen, aber  Tolstoi ist neben <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> doch mehr der Ausdruck der  slavischen Ruhe, des stillen schweigenden, eben erst  aufhorchenden Landes, des schweren und noch stumpfen, aber  in seiner Stumpfheit urgesunden und Zukunft witternden  Bauerntums. <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> dagegen ist weit mehr, <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span>  ist der Ausdruck des russischen Wahnsinns, der Tragödie im  Russentum, der Fleischwerdung all seiner mystischen  Verinnerlichung und hektischen Geladenheit. <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> hat  wie Tolstoi das Epos des russischen Lebens geschaffen, aber  er hat es weit großartiger getan: er hat dieses russische Leben  nicht nur ausgestattet mit einem unerhörten Gestaltenreichtum,  der ganz Rußland, der das ganze Slaventum in all seinen  verschiedenen Nationalitäten, Kasten und Typen, vom simplen  Muschik bis zum Petersburger Aristokraten, vom Nihilisten bis  zum Bureaukraten, vom Verbrecher bis zum Heiligen in tausend  Nuancen umgreift &#8211; <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> hat noch mehr getan und ihm  auch die Offenbarung einer bewußten russischen  Weltanschauung zu Grunde gelegt.</p>
<p style="text-align: justify;">Dostojewskis eigentliche Tat ist es, daß er Rußland eine  Mythologie gegeben &#8211; dem modernen Rußland eine moderne,  eine naturalistische, eine psychologische Mythologie,  herausgeholt nicht aus den Nebeln der Vorwelt, sondern aus  denen der Seele. Die Mythologie eines Volkes ist die  Verkörperung seines Urwesens in Urfiguren: in dieser Weise  mythologisch aber kann in jedem Augenblick in der Entwicklung  eines Volkes geschaffen werden &#8211; es kommt nur darauf an, daß  man ihm wirklich auf den Grund schafft und seine innerste  Wahrheit über sich selber aus ihm herausschöpft. Auch die  Götter entsprangen einstmals leibhaftig und gegenwärtig einem  Menschenauge, dem ersten, das sie in innerer Phantastik  erschaute, und sie lagen nicht etwa um ganze Schöpfungsringe  genetisch zurück, wie die Menschen dann später glaubten.  Trotzdem wird in der Regel die Mythologie eines Volkes an  seinem Anfang, an der Wende von seiner vorgeschichtlichen zu  seiner geschichtlichen Zeit liegen: sie ist das Erste, was es sich  schafft, und sie ist zugleich die Schicht, auf der es dann  weiterschafft. Fast alle großen Nationalliteraturen bauen sich  denn auch auf einer derartigen mythologischen Vorarbeit auf, die  einst schon die Ahnen in unbewußter Dichtung geschaffen  haben. Bei dem russischen Volke ist das nicht der Fall: es  besitzt nur die Geschichtsberichte seiner Chronisten und dann  wohl auch reiche Sagen und Märchenwelten, aber doch kein  zentrales Nationalepos im Sinne etwa der Ilias und der  Nibelungen, kein grandioses Panorama seiner Vorzeit, in dem  seine Ueberlieferungen und Sinnbilder, seine Nationalhelden  und Nationalstoffe zusammengegossen und  zusammengeschmolzen wären. Infolge dessen hat die  russische Dichtung, wenn man sie auf ihre Ursprünge hin  ansieht, immer etwas Basisloses, die Fundamente scheinen zu  fehlen, die einzelnen Dichter stehen disparat hinter- oder  nebeneinander. Das wurde dann erst von <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> ab  anders. Vor ihm hatte man sogar noch in romantischen Formen  den russischen Ton gesucht. Jetzt holte <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span>, nach  Puschkins und Gogols Vorgang, all das jahrhundertelang  Versäumte nach, stellte breit und mächtig eine russische  Typologie auf und gab so, indem er das russische Leben in  seinem naturalistischen Nationalcharakter ergriff und  gleichzeitig bis auf seinen mystischen Untergrund aufdeckte,  auch der russischen Dichtung ein für alle Mal und endgültig  ihren Nationalcharakter. Wie französische Dichtung immer  skeptisch, deutsche Dichtung immer idealistisch ist, so wird  russische Dichtung immer naturalistisch-mystisch sein &#8211; oder  sie wird nicht russisch sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Grund der ganzen Erscheinung, warum sich das russische  Volk kein Nationalepos geschaffen, mag einmal in der überstark  partikularistischen, beständig dezentralisierenden  Rasseentwicklung gelegen haben: man bedenke nur, daß unter  einem Dutzend anderer Städte Nowgorod, Kieff, Moskau und  schließlich Petersburg die wechselnden, den Entwicklungsgang  kreuz und quer durcheinander, bald nach Norden, bald nach  Süden verschiebenden Entwicklungsmittelpunkte gewesen  sind; und zwar unter ganz anders großen Entfernungen und  tragischen Umständen, als wir sie etwa in Deutschland gehabt;  denn unsere Entwicklung ist gegen die russische gehalten eine  durchaus ruhige gewesen! Dann aber lag auch viel schuld vor  allem im russischen Nationalcharakter selbst, in der ganzen  Monotonie der slavischen Lebensstimmung. Der Russe träumt,  aber handelt nicht, sein Weltbild ist monistisch, nicht dualistisch,  das Sein ist für ihn Fatum, Verhängnis, nicht Wille und  Gegenwille, ist Gefühl, nicht Tat. Das alles konnte dann sehr  wohl im einzelnen Volkslied lyrisch ausströmen, aber niemals in  wilden Szenen und unter gewaltigen Kontrasten sich plastisch  zusammenballen. Gewiß weitet sich in der russischen  Wirklichkeit diese Lyrik unwillkürlich zum Epos, zum Epos der  Steppe, der Ferne und der Grenzenlosigkeit. Aber eben dieses  Epos ist dann so riesengroß  und ungeheuer, daß es alle  Tragödien wie Winzigkeiten verschlingt und daß schließlich  doch immer nur die Lyrik zurückbleibt. Dennoch ist auch für den  Slaven wie für jeden Menschen das Leben Kampf und damit  Drama: nur daß dieses Drama sich bei ihm weit kontemplativer,  quietistischer, eben psychologischer abspielt. Selbst wenn es  sich in rasenden und sogar gräßlichen Taten ausrollt &#8211; wie bei  <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> immer &#8211; , selbst dann ist noch der Hintergrund die  Seele, ist das Motiv ein inneres, kein äußeres, ist das  Heldentum verschwiegen und still nach innen gekehrt, und nicht  etwa die starke und über sich klare Heroik des Westeuropäers.  All diese Züge russischen Volkstums aber kehren im Schatten  Dostojewskis wieder: Tragödie jagt Tragödie, doch die ewige  Epik des Slaventums nimmt sie auf, und was schließlich am  tiefsten wirkt, ist die Lyrik. Die gigantische Einheit von allen  dreien ist Dostojewskis Monumentalität &#8211; und sie ist Rußlands  Monumentalität.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Wirklichkeitsmythologie, die <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> geschaffen, ist  die Mystik das Bedeutsame für Rußland, doch die Wirklichkeit,  die besondere Art, in der <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> Wirklichkeit gegeben hat,  ist das Bedeutsame für die Welt. Dostojewskis  Nichts-als-Modernität ist Dostojewskis Größe. Unter den  Dichtern des neunzehnten Jahrhunderts gehört er zu den ganz  Wenigen, die nur Neues, die nur nach Vorne, nur in ständigem  unterirdischen Zusammenhang mit der allgemeinen  Zivilisationsentwicklung geschaffen haben. Für ihn gab es keine  Tradition mehr: nicht die &#8220;schöne&#8221; Tradition der Antike, noch die  &#8220;wilde&#8221; irgendeiner Romantik. Die einzige Basis, auf der sein  Werk ruht, ist seine Zeit. Es hätte die Möglichkeit bestanden, die  Typologie, die Rußland jetzt endlich bekommen sollte,  russisch-archaistisch aus den vergangenen Jahrhunderten  noch nachträglich heraufzuholen. <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> hat das nicht  getan: gerade so wie Rußland überhaupt in die Zukunft und  nicht in die Vergangenheit weist, so hat er auch das bis dahin  Unterlassene nicht in jener Weise allegorisch-kostümhaft  nachgeholt, sondern mit sicherem Instinkt unmittelbar in seine  Gegenwart hineingeschaffen und die Seele seines Volkes  bloßgelegt, indem er die Seele dieser Gegenwart bloßlegte.  Das Psychische seines Naturalismus war dabei das  Entscheidende: dadurch ward <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> zum Ersten jener  Künstler, wie heute Munch etwa, in deren Kunst ein Stück  Zukunft transcendental vorweggenommen und Leben und  Ewigkeit psychisch verbunden scheint. Der moderne Zug allein  hätte noch nicht genügt, um <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> seine überragende  Stellung zu geben und den großen Epikern anzureihen. Modern  waren auch schon die englischen Realisten des 18. und die  französischen Realisten des 19. Jahrhunderts &#8211; Defoe, <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/honore-de-balzac" target="_blank">Balzac</a></span>,  Flaubert, Zola, Maupassant. Aber es war immer noch erst eine  mehr sachliche, unpersönliche, einfach berichtende Modernität.  Einzig <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/johann-wolfgang-goethe" target="_blank">Goethe</a></span> grub den Realismus mehr in das Seelische und  Ewige ein, dadurch, daß er ihm den Grund der Natur und der  aufkommenden Naturwissenschaften legte. Doch erst  <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> ist noch weiter gegangen und hat alle Naturalist  gezeigt, wie auch das moderne Leben wieder seine Mystik und  Phantasie hat. Realistisch von diesem modernen Leben  erzählen, sogar mit noch vollerer, runderer, körperhafterer  Gestaltungskraft, als sie <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> besessen, der bei der  Zeichnung selbst der deutlichsten Charaktere stets etwas  Gespensterhaftes behielt &#8211; dabei wuchtig und breit in der  Ausführung: das konnte auch Tolstoi. Aber das moderne Leben  in seiner inneren Dämonie ergreifen, mit seinen neuen  Schönheiten und Häßlichkeiten, seinen neuen Sittlichkeiten und  Unsittlichkeiten, und den Naturalismus, statt ihn etwa gar zur  Kopie zu erniedrigen, in Vision wieder auflösen &#8211; das konnte  erst <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span>.</p>
<p style="text-align: justify;">Die &#8220;Dämonen&#8221; haben von dieser inneren Dämonie ihren  Namen. Sie zeigen, mit welcher Macht und Unheimlichkeit sie  durchschlagen kann in der Staats- und Gesellschaftsauffassung  des Russen. <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> hat fast in jedem seiner Bücher ein  Sondergebiet russischen Seelenlebens aufgedeckt und hell  gemacht. &#8220;Rodion Raskolnikoff&#8221; war sein moralkritischer und der  &#8220;Idiot&#8221; sein ethisch-mystischer Band. Die Dämonen sind sein  Revolutionsepos. Das politische und soziale Gebiet ist  gewissermaßen das mittlere und vermittelnde, das der  russische Ideologe auf seinem Wege zum religiösen und  theokratischen trifft. Die Sehnsucht des Russen ist: gut zu sein  und Gutes zu tun, schuldlos zu sein und alle Menschen zu  lieben. Die Macht, die ihn daran hindert, ist der Staat.  Andererseits, sieht er ein, könnte gerade ein vervollkommneter  Staat zu diesem Ziele führen. So wird die russischen  Gefühlsreligion und Liebesethik zum &#8211; Kampf um den  Zukunftsstaat. Hinzu kommt zu diesem politischen Utopismus,  der sich steigern kann bis zur politischen Mystik, die tatsächliche  Minderwertigkeit und Unwürdigkeit desjenigen staatlichen  Gefüges, in dem das Slaventum vorläufig politisch repräsentiert  wird &#8211; des russischen Reiches. Nicht nur Schwärmerei, auch  Freiheit und Gerechtigkeit, die unterdrückt und mißhandelt  werden, der Ekel vor einer verkommenen Gesellschaft, die  Unhaltbarkeit eines verrotteten Wirtschaftsleben führen die  russische Jugend zur Politik. Das Fieber, mit dem sie die  Menschen ergreift, hat <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> in den &#8220;Dämonen&#8221; gestaltet.  Zahllosen Typen heben sich ab: nihilistische Helden,  sozialistische Doktrinäre, Slavophilen, Patrioten; Fanatiker,  Intriganten, Maniaken, Idioten; dazu Reaktionäre, Bureaukraten,  Blaustrümpfe, Dekadenten, russisches Publikum. Das  Staatsleben wird zur Welt. Die Politik wird zum  Menschheitsband. Als <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span> jung war, hat er selbst, wenn  auch mehr passiv, an revolutionären Umtrieben teilgenommen.  Immerhin mußte er dafür lange Jahre in Sibirien als  Zwangsarbeiter zubringen. Später, als er schon längst der große  russische Dichter war, als <a href="http://www.centrostudilaruna.it/religione.html">Religion</a> und Mystik seine Seele  erfüllen und seine politischen Anschauungen reif und fest  geworden waren in einem ganz bestimmten russischen  Nationalismus und slavischen Rassebewußtsein, erinnerten  ihn neue Vorgänge an jene Zeit, da auch sein Leben das  russischste aller russischen Leben, ein politisches Leben,  gewesen. So schrieb er dann die &#8220;Dämonen&#8221;. Sie sind stofflich  sein russischstes Buch.</p>
<p style="text-align: justify;">* * *</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Einführung </em>zu: F. M. <span class='bm_keywordlink'><a href="http://www.libriefilm.com/category/autori/fedor-dostoevskij" target="_blank">Dostojewski</a></span>, <em>Die Dämonen. Sämtliche Werke</em>, Erste Abteilung: Fünfter Band. München und Leipzig: Piper, 1916.</p>
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		<title>Indogermanische Stämme in Afghanistan</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2000 18:10:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Friedrich Karl Günther</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Geschichte einer indogermanischen Wanderung nach Asien]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://www.centrostudilaruna.it/indogermanischeafg.html' addthis:title='Indogermanische Stämme in Afghanistan '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/labrys.png" width="48" height="48" alt="" title="Indoeuropei" /><img src="http://www.centrostudilaruna.it/category-icons/storia-antica.JPG" width="48" height="48" alt="" title="Storia antica" /><br/><p style="text-align: justify;">Zwischen den beiden indoiranischen Hauptgruppen, den Indern und den Persern, vermitteln nach ihren Siedlungsgebieten heute zwei Völker indogermanischer Sprache, die Belutschen und die Afghanen, die Belutschen unter britisch-indischer Herrschaft, die Afghanen als Herren eines eigenen Staatswesens.</p>
<p style="text-align: justify;">In Belutschistan findet sich kaum noch eine Spur desjenigen nordischen Einschlags, den man bei den Überbringern der Sprache wie bei allen Indogermanen annehmen muß. Diese Sprache, das Belutschi, ist eine westiranische Mundart und soll in manchen Zügen altertümliche Eigenheiten bewahrt haben. Mitten in Belutschistan wird aber auch noch eine Drawidasprache gesprochen, das Brahui, und eben bei dem Brahuistamme ist auch ein deutlicher negrider Einschlag vom Schlage der Indo-Melaniden zu erkennen. Die Belutschen und die Brahui heiraten einander häufig, so daß die Kreuzung dieser beiden Menschenschläge schon weit vorgeschritten ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Am meisten verbreitet unter den Belutschen und in den angrenzenden indischen Gebieten ist ein rassegemischter Schlag, den Rapson geschildert hat: über mittelgroß, von verhältnismäßig heller Hautfarbe, breitköpfig, mit einer langen, ausgebogenen und ziemlich schmalen Nase, mit meist dunklen, selten grauen Augen, mit starker Körperbehaarung. Nach Schindler kommt unter den Belutschen auf etwa 200 Menschen ein Blonder. Nach dem <em>Dictionaire des Sciences Anthropologiques</em>, S. 135, finden sich unter den Belutschen vereinzelt Hellhäutige, Hellhaarige, Grauäuggige und Blauäugige.</p>
<p style="text-align: justify;">Somit ist auch bei diesen <a href="http://www.centrostudilaruna.it/indoeuropei.html">Indogermanen</a> der nordische Einschlag noch nicht ganz geschwunden, obschon gerade das Klima Belutschistans der Erhaltung nordischer Erbanlagen durchaus ungünstig ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Afghanen oder Paschtun sprechen eine indoiranische Sprache, die zu den ostiranischen Mundarten gehört. Ihre Sprache Paschtu (englisch <em>Pushtu</em>) genannt, ist nicht vom Altpersischen abzuleiten, stellt vielmehr eine selbständige Fortbildung des Altiranischen dar. Sie ist durch ein eigenes Schrifttum seit dem 16. Jahrhundert bekannt und wird heute von etwa 1,5 Millionen Menschen gesprochen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Afghanen bilden als Ostiraner diejenige iranische Gruppe, die ursprünglich den Indern am nächsten stand. Die frühere Geschichte der Afghanen ist kaum noch erhellt. Unter den Eigennamen früherer Afghanengeschlechter finden sich solche hinduisch-indischer, solche iranischer und parthisch-iranischer Herkunft, so daß man im Afghanentum auch schon einzelne Bestandteile altiranischer und altindischer Herkunft vermutet hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Im 11. Jahrhundert scheinen die Afghanen noch im Suleimangebirge westlich vom mittleren Indus gewohnt zu haben, von wo aus sie dann in nördlicher und westlicher Richtung in das heutige Afghanistan einwanderten. Damit ließen sich die Schilderungen vereinen, welche die Ähnlichkeit vieler Afghanen mit Pandschabindern hervorheben.</p>
<p style="text-align: justify;">In dem <em>Dictionaire des Sciences Anthropologiques </em>sind die leiblichen Merkmale der Afghanen (unter &#8220;Asie&#8221;, S. 135) nach Reane angegeben: der Längen-Breiten-Index des Kopfes beträgt 79, das Gesicht ist durchschnittlich schmal, das Haar und die Augen sind meist dunkel; doch sind helle Haare und Augen unter den Afghanen nicht selten und kommen häufiger besonders unter den Gebirgsstämmen im Suleimangebirge vor. Es wäre also möglich, daß ein heller Einschlag sich in den gebirgigen Ursitzen des Volkes deutlicher erhalten hätte.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu den Afghanen gehören die Afridi, die auf britisch-indischem Gebiet zwischen Afghanistan und Nordwestindien wohnen, in den abgelegenen Gebirgstälern westlich und südwestlich von Petschaur (Peshwar) in der Nähe des Khaiberpasses. Bis 1879 haben sie als ein kriegerischer und seinen Nachbarn gefährlicher Stamm den Khaiber- und den Kohatpaß beherrscht. Die Afridi halten sich nicht für Afghanen oder wollen nicht dafür gehalten werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Afghanenstämme bestehen aus kriegerischen Hirten, geübten Reitern, die als Herrenbevölkerung die übrige Bevölkerung Afghanistans beherrschen. Trotz dem herrschendem Islam ist die Stellung der afghanischen Frau &#8211; eine Nachwirkung indogermanischer Sitte &#8211; freier als bei den Nachbarvölkern. Unter der afghanischen Herrenschicht, die nur etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmacht, sitzen als Ackerbauern, Handwerker, und Kaufleute Tadschiken, die ebenfalls iranische Mundarten sprechen, und deren rassische Eigenart später zu behandeln sein wird. Daneben leben als Wanderhirten in Afghanistan einige türkische Stämme wie die Turkmenen und Kyzylbasch. Ihrem Glauben nach sind die Afghanen Moslem, und zwar sunnitische; zwischen sunnitischen Afghanen und schiitischen Persern besteht ein überlieferter Glaubenshaß.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Afghanen werden als ritterlich und gastfrei geschildert, als kühn und tapfer; ihre Neigung zu Mißtrauen, häufig bei Vorschützen einer gewissen Offenherzigkeit, wird betont, ebenso ihre Habsucht.</p>
<p style="text-align: justify;">Elphistone (<em>Englische Gesandtschaft am Hofe von Kabul</em>, 1808) führt als Vorzüge der Afghanen an: Freiheitsliebe, Offenheit, Männlichkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit, Fleiß, verständiges Wesen und Güte gegen Untergebene; in ihrem Auftreten seien die Afghanen lange nicht so lebhaft wie die Perser. Als Mängel der Afghanen vermerkt er: Rachsucht, Neid, Geiz, Raubsucht und Hartnäckigkeit. Mit einer Zusammensetzung des Afghanentums aus orientalischer, vorderasiatischer und nordischer Rasse, einer Zusammensetzung, wie sie die verschiedenen rassekundlichen Zeugnisse vermuten lassen, würde sich im ganzen gerade das Bild seelischer Züge vereinen lassen, das sich aus Elphistones Bericht ergibt.</p>
<p style="text-align: justify;">Über leibliche Merkmale vermerkt Elphinstone, daß Kopf- und Barthaare der Afghanen meist schwarz seien, bisweilen braun, selten rot; Hellhäutige von der Helligkeit der Europäer finde man häufiger im Westen, Dunkle von der Dunkelhäutigkeit der Hindus mehr im Osten; und eben im Westen träten die oben geschilderten Vorzüge der Afghanen besonders hervor, diese &#8220;Vorzüge&#8221;, die sich ja, wenigstens zum Teil, durch Züge der nordischen Rassenseele erklären lassen. &#8220;Ich kenne kein Volk in Asien, das weniger Fehler hat&#8221; urteilt Lord Elphinstone (nach seinen abendländischen Sittlichkeitsbegriffen) und setzt hinzu, daß dies besonders für die helleren Afghanen im Westen zutreffe.</p>
<p style="text-align: justify;">Prichard, <em>Naturgeschichte des Menschengeschlechtes</em>, Bd. III, 2, 1845, S89/90, führt einen Bericht Frasers an über dessen Forschungsreise in die Gebirgsländer am Mittellauf des Satledsch (englisch <em>Sutlej</em>), der in den Indus mündet. Dabei wurde Fraser von 80 bis 100 Afghanen (Pathans) begleitet, deren Anblick er beschreibt: &#8220;Sie sahen sehr kriegerisch aus und achtungsgebietend. Viele von ihnen hatten rotes Haar, blaue Augen und eine rosighelle Hautfarbe.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Bei den östlichen Afghanen, die am Fuße des Suleimangebirges im Bezirke Bannu, wo der Kurum in den Indus mündet, ansässig sind, d. h. also auf britisch-indischem Gebiete, gelten helle Augen als häßlich. Wer häßlich sein soll, dem gibt Gott grüne Augen&#8221;, heißt es dort im Sprichwort. Graugrünliche Augen sollen aber unter diesen Afghanen nicht selten sein. (Gerland, <em>Bannu und die Afghanen</em>, Globus, Bd. 31, 1877 S. 332).</p>
<p style="text-align: justify;">Siedl, <em>Unsere Feinde</em>, 1916, S. 32, schildert Afghanen, die im Weltkriege in deutsche Gefangenschaft geraten waren, also wahrscheinlich ausgelesen kriegerische Vertreter ihres Volkes. Er hebt ihren offenen, treuen Augenausdruck hervor und findet, daß die meisten &#8220;ebensogut auf einem Bauernhofe Norddeutschlands geboren sein könnten wie in der Hütten ihrer Hochgebirgsheimat&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">In der norwegischen Zeitung <em>Tidens Tegn </em>vom 9. Mai 1925 hat der norwegische Sprachforscher Morgenstierne seine Eindrücke aus Afghanistan mitgeteilt (<em>Folk og Sprog i Afghanistan</em>): &#8220;Oft findet man blonde nordische Gestalten; sie sitzen im Gegensatz zu anderen Morgenländern auf Stühlen.&#8221; &#8211; Die Sitte des Sitzens an Stelle eines Sichlagerns oder Niederkauerns is ja nach Südeuropa und Vorderasien durch <a href="http://www.centrostudilaruna.it/indoeuropei.html">Indogermanen</a> verbreitet worden; das Liegen beim Mahle der Hellenen und Römern ist von diesen erst später als eine Sitte der indogermanisierten Unterschichten und des Morgenlandes übernommen worden; vgl. Malachowski, <em>Über das Sitzen bei den alten Völkern</em>, Zeitschrift für Ethnologie, Bd. 51, 1919, S. 22/23.</p>
<p style="text-align: justify;">Herbordt, <em>Eine Reise nach &#8220;Där-i-Nur&#8221; im Nordosten Afghanistans</em>, Petermanns Mitteilungen, Bd. 72, 1926, S. 207, beschreibt die Bewohner eines Afghanendorfes Sarrur in Nuristan, Nordwestafghanistan, 2500 m über dem Meere, als meist rotblonde, große Menschen mit weißlicher Haut&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser &#8220;europäische&#8221; Einschlag im Afghanentum wird auch von Afghanen selbst empfunden, wenn sie sich mit Europäern zusammen Turkbevölkerungen Innerasiens gegenübersehen. Im Pamir sagte ein Afghane zu dem französischen Forschungsreisenden Capus: &#8220;<em>Salam aleikum brader</em>&#8221; (<em>brader </em>= Bruder), als sie einander unter Kirgisen begegneten. Capus schildert die Würde und geistige Überlegenheit dieses Afghanen, demgegenüber er gleich empfunden habe: &#8220;Das ist der Europäer&#8221; (<em>C&#8217;est l&#8217;Europeen</em>); vgl. Zaborowski, <em>Les Peuples Aryens d&#8217;Asie et d&#8217;Europe</em>, 1908, S 81).</p>
<p style="text-align: justify;">Die Afghanen haben den indogermanischen Geschlechterstaat, den über Großfamilien, Geschlechtern und Geschlechterverbänden aufgebauten Staat, in wesentlichen Grundzügen bewahrt, den &#8220;Staat&#8221;, wenn man dies so nennen darf, aus der Zeit der indogermanischen Wanderungen, wie ihn ein frühes Inder- und Persertum, frühes hellenen- und Italikertum, Kelten und Germanentum zeigen, wie ihn Homer oder die &#8220;Germania&#8221; des Tacitus erkennen lassen. Die Bewahrung der Stämme als Geschlechterverbände indogermanischer Art hat in der Geschichte des Afghanentums viel Blut, und zwar gerade altiranisch-afghanisches Blut gekostet, weil diese Geschlechterverbände untereinander diejenigen Fehden führten, die für die Frühzeiten und Mittelalter aller Völker indogermanischer Sprache kennzeichnend sind. Bis ins 19. Jahrhundert hinein sind diese Fehden der afghanischen Geschlechter sehr blutig verlaufen. Diese Unabhängigkeit der einzelstämme bildete aber &#8211; ebenfalls kennzeichnend frühgeschichtlich-indogermanischer Weise &#8211; den Stolz des älteren Afghanentums. Elphinstone, der Afghanen über diese Fehden und das Fehlen einer Übergeordneten Königsmacht befrug, erhielt zur Antwort: &#8220;Wir sind zufrieden mit Zwietracht, Blut und Unruhe; aber niemals mit einem Oberherren.&#8221; So hätten im fränkischen Frankreich des frühen Mittelalters noch die Barone germanischer Herkunft antworten können.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Afghanen würden ein Beispiel einer solchen indogermanischen Herrenschicht abgeben, wie man sich zu Jakob Grimms Zeiten und wie einige sich heute wieder die <a href="http://www.centrostudilaruna.it/indoeuropei.html">Indogermanen</a> vorstellen möchten: nämlich als Hirtenkrieger, die sich zu Herren von hackbau- oder ackerbautreibenden Bevölkerungen aufwerfen und bei mittelalterlichen Zuständen für das so aus Rassenüberschichtung entstandene Volk einen Schwertadel, ein &#8220;Nur-Kriegertum, bilden, jedenfalls aber eine im Boden nicht verwurzelte, freizügige Oberschicht unruhig herrentümlichen Wesens &#8211; die Afghanen würden ein solches Beispiel abgeben, wenn ihr Hirten-Kriegertum etwas ursprüngliches wäre. Dieses Hirtenkriegertum &#8211; wenn man die Eigenart des afghanischen Herrenstandes überhaupt so richtig bezeichnet &#8211; kann aber nicht ursprünglich sein, da gerade auch die iranische Gruppe der <a href="http://www.centrostudilaruna.it/indoeuropei.html">Indogermanen</a> in ihren Anfängen die kennzeichnenden Züge indogermanischen Bauernkriegertums zeigt, wie es besonders erhaben sich im persischen Mazdaismus ausgedrückt hat. Die Lockerung des Afghanentums zu einem dem Boden nicht mehr verbundenen Herrenstande muß in besonderen Verhältnissen des afghanischen Wohngebietes und der Geschichte der afghanischen Stämme gesucht werden. Leider hat sich diese Geschichte bisher nicht mehr als nur dürftig erhellen lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Sind die Ursitze der Afghanenstämme wirklich im Suleimangebirge zu suchen, so ließe sich diese Entbäuerlichung der Afghanen wohl erklären: dieses Gebirge besitzt nur in seinen Tälern einige fruchtbare Anbaugebiete.</p>
<p style="text-align: justify;">* * *</p>
<p style="text-align: justify;">[Gereuth, September 1933]</p>
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